St. Vincenz zu Altenhagen I

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06.09.2020

Andacht für die Woche vom 6. bis 12. September 2020

Verfasser: Christian Klatt 
Superintendent in Ruhe (Springe)

Christus spricht:

„Was ihr getan habt
einem von diesen meinen geringsten Brüdern,
das habt ihr mir getan.“

(Matthäus 11,28 - Wochenspruch für den 13. Sonntag nach Trinitatis)


Der erste oder zweite Sonntag im September
wird in der evangelischen Kirche
üblicherweise als „Sonntag der Diakonie“ gefeiert.
Dazu passt dieser Wochenspruch,
der geradezu als ein Leitwort evangelischer Diakonie
und katholischer Caritas gilt:
„Christus spricht:
Was ihr getan habt
einem von diesen meinen geringsten Brüdern,
das habt ihr mir getan.“
(Matthäus 25, 40b)
Die geringsten Brüder – das sind die Menschen,
die vom Schicksal geschlagen
und auf Hilfe angewiesen sind,
die aber oft am Rande stehen
und wenig beachtet werden.
Jesus selbst hat sich diesen „Geringsten“
als Bruder an die Seite gestellt
und ihnen nicht nur mit Worten,
sondern auch mit Taten die Liebe Gottes verkündigt.
Hier solidarisiert, ja identifiziert
er sich sogar mit ihnen:
„Was ihr einem von ihnen getan habt,
das habt ihr mir getan!“
Und damit richtet er einen deutlichen Appell an uns:
Nehmt sie als eure Brüder und Schwestern an
und steht ihnen bei!

     Konkret nennt Jesus
in diesem Zusammenhang menschliche Grundbedürfnisse,
die jedem sofort einleuchten:
Hungrige brauchen Nahrung,
Bedürftige brauchen Kleidung,
Fremde brauchen ein Zuhause,
Kranke und Gefangene warten auf Besuch.
Da ist Nächstenliebe gefragt!
Es werden also
keine besonders frommen Leistungen,
keine moralischen Kraftakte von uns erwartet.
Aber das Naheliegende sollen wir tun:
uns dem Nächsten so zuwenden,
wie er oder sie es braucht.

     In der gegenwärtigen Corona-Pandemie
haben wir von neuem gelernt,
wie wichtig und wertvoll solche Taten
und Zeichen der Nächstenliebe sind.
Sie schaffen ein Klima der Barmherzigkeit
und halten unsere Gesellschaft
auch in Zeiten großer Belastungen zusammen.
Viele haben zum Beispiel
mit viel Phantasie und Einsatzbereitschaft
dafür gesorgt, dass die Risikogruppe der Alten und Kranken
in der Nachbarschaft
oder in den Senioren- und Pflegeheimen
nicht vergessen wurden.

     Momentan beginnt die Stimmung
nach sechs Monaten hier und da zu kippen.
Nicht wenige Menschen
gehen aus unterschiedlichen Motiven auf die Straße,
pochen auf ihre persönlichen Freiheitsrechte
und wollen sich von den angeordneten Einschränkungen
und Schutzmaßnahmen,
die doch regelmäßig verantwortungsvoll überprüft
und angepasst werden,
nicht bevormunden lassen.
Aber dabei darf doch der Schutz des Lebens,
die Rücksicht auf die Mitmenschen,
auch der Respekt
vor den Ordnungskräften des Staates
nicht verlorengehen!

     Der Wochenspruch weist uns von uns selber weg
auf die Menschen in der Nähe und in der Ferne,
die auf Hilfe warten.
Damit der Egoismus uns nicht trennt,
sondern die Nächstenliebe uns zusammenführt.
So will Jesus Christus mit seinem Geist
unter uns gegenwärtig sein.
Denn: „Was ihr getan habt
einem von diesen meinen geringsten Brüdern,
das habt ihr mir getan.“

Bleiben Sie guten Mutes und behütet!

Ihr Christian Klatt

 
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