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Andacht für die Woche vom 9. März bis 15. März 2025
Andacht für die Woche
vom 9. März
bis 15. März 2025
über die Epistel
des Sonntags Invokavit
aus dem Brief
an die Hebräer 4,14-16
„Christus, der große Hohepriester““
Verfasser:
Superintendent in Ruhe Jürgen Flohr
(Springe – früher Syke)
Weil wir einen großen Hohenpriester haben,
Jesus, den Sohn Gottes,
der die Himmel durchschritten hat,
so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis.
Denn wir haben nicht einen Hohenpriester,
der nicht könnte mit leiden
mit unserer Schwachheit,
sondern der versucht worden ist
in allem wie wir, doch ohne Sünde.
Darum lasst uns freimütig hinzutreten
zu dem Thron der Gnade,
auf dass wir Barmherzigkeit empfangen
und Gnade finden
und so Hilfe empfangen zur rechten Zeit.
Liebe Lesende,
Wenn wir diese Verse lesen,
kommen uns die Ausführungen des Verfassers
vermutlich ziemlich fremd vor
und weit weg von unserem eigenen Leben.
Hohepriester wie im alten Israel
gibt es schon lange nicht mehr, -
auch nicht bei den heutigen Juden
in Israel oder anderswo.
Was also ist gemeint, wenn der Hebräerbrief
Jesus Christus als unseren,
der Christen Hohenpriester bezeichnet?
Der Briefschreiber vergleicht Jesus
mit dem höchsten Priester
im Tempel in Jerusalem,
der Hohepriester genannt wurde,
weil auch Jesus uns vom Bösen
und von der Gottesferne erlösen,
losmachen kann; denn so tat es
seinerzeit der Hohepriester in
jedem Jahr einmal für das Volk Israel
am großen Versöhnungstag.
Da übertrug der Priester die Sünden
des ganzen Volkes symbolisch
auf einen Schafbock, den Sündenbock,
und befreite so das Volk
von allen seinen Sünden.
Und welche Rolle spielt nun Jesus
in unserem, der heutigen Menschen
Verhältnis zu Gott? In Jesus Christus
ist nach unserem christlichen Glauben
der ewige Gott uns Menschen
ganz nahegekommen und hat so
den großen Abstand
zwischen Gott und Mensch,
zwischen Gottes gutem Willen
und unserem menschlichen Egoismus
überbrückt.
Deshalb soll nun nicht mehr
vor allem das für uns wichtig sein,
was jeweils nur mir selber dient,
sondern es soll die Liebe
zum Mitmenschen und zu Gott herrschen,
die das Gegenüber wichtig nimmt.
Doch ein Leben aus solcher Liebe heraus,
ein Leben in liebevollen Beziehungen
zu Gott und zum Nächsten
ist ja keineswegs selbstverständlich,
wie wir alle wissen, sondern es ist schwer,
so zu leben; denn wir denken
im allgemeinen zuerst
an den eigenen Nutzen und dann erst –
vielleicht – an andere Menschen
oder an den Vater im Himmel.
Dieses menschliche Leben aber,
das wir so gut kennen als eines,
das eben oft nicht von Liebe geprägt ist,
sondern ganz anders,
das hat auch Jesus durchlebt;
denn er war ein Mensch wie wir.
Aber er hat sich nicht
vom Bösen einfangen lassen
und von der Sünde,
die den Menschen von Gott trennt,
sondern Jesus ist der Liebe treu geblieben,
die von Gott kommt trotz der Versuchungen,
denen auch er ausgesetzt war
wie wir alle.
So ist Jesus für uns
zum Vor-Bild geworden,
dem wir nachfolgen sollen,
so gut wir es vermögen
als immer wieder fehlerhafte Menschen.
Der Verfasser des Hebräerbriefes
schreibt dies an Christen,
denen es im römischen Reich
unter dem christenfeindlichen Kaiser
Domitian nicht gut ging.
Ihnen will er Mut zusprechen,
damit sie auch in der Bedrängnis,
die sie durch Staat und Gesellschaft erfuhren,
am christlichen Glauben festhalten
und auf Gott vertrauen sollten.
Was können wir heutigen Christen
dadurch lernen, wo wir doch
in einer ganz anderen Zeit
und unter völlig anderen Verhältnissen leben?
Auch wir haben ja
eine Menge alltäglicher Sorgen,
wenn es auch gänzlich andere sind
als sie die Empfänger
des Hebräerbriefs hatten.
Wir werden z.B. seit einigen Jahren
täglich mit einer Menge
erschreckender Nachrichten konfrontiert.
Ich brauche nur ein paar Stichworte
zu nennen, um uns daran zu erinnern:
Da war etwa die Corona-Pandemie
vor einigen Jahren, die uns
alle heftig getroffen und verunsichert hat;
manche sind sogar daran gestorben,
viele waren krank
und sind es teilweise noch;
alle waren wir geschockt,
dass so etwas in unserem
medizinisch gut versorgten Europa
möglich gewesen ist.
Da findet seit 3 Jahren
der grausame Krieg in der Ukraine statt,
mit dem vorher niemand gerechnet hatte
und der bis heute immer weitergeht
und die internationale Völkergemeinschaft
spaltet wie nichts
seit dem 2. Weltkrieg zuvor.
Da hören wir vermehrt
von der Spaltung zwischen Arm
und Reich in unserem Land
und auch weltweit,
die den Hunger in Afrika
und protzenden Reichtum bei Wenigen
nebeneinander bestehen lässt,
und das bringt unser Gerechtigkeitsgefühl
heftig durcheinander.
Wir könnten diese Aufzählung
von Problemen noch lange fortsetzen.
Festzuhalten ist:
Viele von uns sind seit einiger Zeit
recht unsicher geworden
in ihrer Einschätzung
der allgemeinen Lebensumstände
und auch der eigenen Möglichkeiten.
Man kommt sich manchmal vor
wie in einem kleinen Boot
in hohen Meereswellen,
wo niemand recht einschätzen kann,
was das nächste Wellental bringt.
Was kann uns
in solcher bedrängten Lage helfen?
Vielleicht hilft ja doch das,
was der letzte Vers
unseres Briefabschnitts uns empfiehlt:
Dass wir unseren Gott
um seine Gnade bitten
und von ihm Hilfe und Halt erfahren
gerade in den Nöten,
die uns bewegen und umtreiben.
Einige von ihnen habe ich genannt,
und jede und jeder von Ihnen
wird eigene Schwierigkeiten
und Unsicherheiten hinzufügen können.
Also bitten wir Gott,
er möge uns beistehen
und uns neues Vertrauen schenken
in seine Güte und Freundlichkeit
für uns verunsicherte Glaubende,
die wir diesen Halt doch so nötig brauchen.
Nehmen wir uns wie der Hebräerbrief
immer wieder ein Beispiel an Jesus,
der uns vorangegangen ist
durch das menschliche Leben hindurch,
durch den Tod und in Gottes Ewigkeit hinein,
die wir auch für uns erhoffen.
Darum: „Lasst uns freimütig hinzutreten
zu dem Thron der Gnade,
auf dass wir Barmherzigkeit empfangen
und Gnade finden
und so Hilfe erfahren zur rechten Zeit.“
Jürgen Flohr
