St. Vincenz zu Altenhagen I

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Andacht für die Woche vom 8. März bis 14. März 2026

08.03.2026

Andacht
für den Sonntag Oculi
am 8. März 2026
und für die Woche
vom 8. März bis 14. März 2026
über die Lesung
aus dem Alten Testament.
Sie steht im ersten Buch der Könige
im 19. Kapitel.
Die Lesung
ist überschrieben
„Elia am Horeb“
Verfasser:
Pfarrer in Ruhe Jürgen-Peter Lesch
(Springe –
früher Pfarrer der EKD in Hannover)



In Kriegszeiten vom Frieden reden.

Liebe Leserin, lieber Leser,
„Ahab erzählte Isebel alles,
was Elija getan hatte –
auch dass Elija
alle Propheten des Baal
getötet hatte.“

Dieser
erste Satz
im Text aus dem Alten Testament,
der für den Sonntag „Okuli“
als Lesung ausgewählt ist, schreckt ab.
Vom Töten ist die Rede;
wer mag da schon weiterlesen?
Doch seien Sie langsam
mit Ihrem Urteil.
Wie bei so vielen verwirrenden
und erschreckenden Aussagen
in der Bibel lohnt es sich,
genauer hinzuschauen
und die Zusammenhänge zu kennen.
Lesen Sie also bitte weiter -
nicht nur den Bibeltext,
sondern auch die Erläuterungen
und die sich
daran anschließenden Gedanken.
Es geht tatsächlich um Frieden.
Die Hauptrollen spielen der König Ahab,
seine Frau Isebel
und der Prophet Elia/Elija.
Nicht zu vergessen: Gott, der
Herr.
„Ahab erzählte Isebel alles,
was Elija getan hatte –
auch dass Elija
alle Propheten des Baal getötet hatte.
Daraufhin schickte Isebel
einen Boten zu Elija und drohte ihm:
»Die Götter sollen mir antun,
was immer sie wollen,
wenn ich deinem Leben
nicht ein Ende setze!
Morgen um diese Zeit
soll es dir ergehen
wie den Propheten,
die du getötet hast!«

Da geriet Elija in große Angst.
Er sprang auf
und lief um sein Leben.
So kam er nach Beerscheba
an die Grenze von Juda.
Dort ließ er seinen Diener zurück.
Er selbst ging noch
einen Tag lang weiter –
tiefer in die Wüste hinein.
Dann setzte er sich
unter einen Ginsterstrauch
und wünschte sich den Tod.
»Es ist genug!«, sagte er.
»
Herr, nimm mir doch das Leben!
Denn ich bin nicht besser
als meine Vorfahren.«

Schließlich legte er sich hin
und schlief unter
dem Ginsterstrauch ein.
Plötzlich berührte ihn ein Engel
und forderte ihn auf:
»Steh auf und iss!«
Als Elija um sich blickte,
fand er etwas neben seinem Kopf:
frisches Fladenbrot
und einen Krug mit Wasser.
Er aß und trank,
dann legte er sich wieder schlafen.
Doch der Engel des
Herrn
erschien ein zweites Mal.
Wieder berührte er ihn und sprach:
»Steh auf und iss!
Denn du hast
einen weiten Weg vor dir!«
Da stand Elija auf,
aß und trank und ging los.
Durch das Essen war er
wieder zu Kräften gekommen.
40 Tage und 40 Nächte
war er unterwegs,
bis er den Horeb,
den Berg Gottes, erreichte.

Dort ging er in eine Höhle,
um darin zu übernachten.
Doch da kam
das Wort des
Herrn zu ihm:
»Was tust du hier, Elija?«
Elija antwortete: »Bis zum Äußersten
bin ich für dich gegangen.
Alles habe ich für dich getan,
für den
Herrn, den Gott Zebaot!
Denn die Israeliten
haben deinen Bund verlassen.
Sie haben deine Altäre niedergerissen
und deine Propheten
mit dem Schwert getötet.
Ich allein bin übriggeblieben.
Doch jetzt wollen sie
auch mich umbringen!«

Da sprach Gott zu ihm:
»Komm heraus!
Stell dich auf den Berg
vor den
Herrn!« Und wirklich,
der
Herr ging vorüber:
Zuerst kam ein gewaltiger Sturm,
der Berge sprengte
und Felsen zerbrach.
Der zog vor dem
Herrn her,
aber der
Herr war nicht im Sturm.
Nach dem Sturm kam ein Erdbeben.
Aber der
Herr
war nicht im Erdbeben.
Nach dem Erdbeben
kam ein Feuer.
Aber der
Herr
war nicht im Feuer.
Nach dem Feuer
kam ein sanftes, feines Flüstern.
Als Elija das hörte,
bedeckte er das Gesicht
mit seinem Mantel.
Dann trat er aus der Höhle heraus
und stellte sich an ihren Eingang.“

1. Könige 19,1-13b -
Übersetzung der BasisBibel 2021


Was hat unser Text
aus dem 1. Buch der Könige
mit Frieden zu tun?
Der Prophet Elija flieht
vor der Rache der Königin Isebel,
wird durch einen Engel gerettet,
läuft 40 Tage und 40 Nächte
durch die Wüste zum Berg Gottes
und hat dort eine persönliche Begegnung
mit seinem und unserem Gott.
Doch wo ist in dieser Erzählung
etwas vom Frieden zu erkennen?
Dazu muss ich
die Vorgeschichte mit einbeziehen.
König Ahab und seine
aus Phönizien stammende Königin Isebel
wollen das Volk Israels dazu bringen,
sich von ihrem Gott, Jahwe,
ab- und den phönizischen Göttern
Baal und Aschera zuzuwenden.
Dafür werden die Propheten
und Priester des Jahwe
entweder getötet oder vertrieben
oder einfach gefügig gemacht.
Am Ende halten sich
etwa hundert Propheten,
die Jahwe treu bleiben, versteckt.
Nun kommt es zu einem „Showdown“
am Berg Karmel:
Elija gegen 450 Propheten Baals.
Zwei Stiere werden geopfert und auf
unterschiedliche Brennholzstapel gelegt.
Elija fordert die Baalspriester auf:
Sie sollen „den Namen
ihres Gottes anrufen.
Auch ich werde den Namen
des
Herrn anrufen.
Welcher Gott wird antworten
und Feuer schicken?
Dieser ist der wahre Gott.“
Die Propheten Baals versuchen erfolglos
und zunehmend verzweifelt,
Feuer vom Himmel herunterzurufen.
Am Ende ist nur Elija erfolgreich:
Da kam das Feuer des
Herrn herab
und fraß das Opfertier,
das Holz und die Steine.
Sogar die Erde drum herum
verbrannte es, und die Flammen
leckten das Wasser im Graben auf.
Als das ganze Volk das sah,
warfen sie sich
mit dem Gesicht auf den Boden.
Sie riefen: ‚Der
Herr ist Gott!
Der
Herr ist Gott!‘“
Leider ist damit
die Geschichte nicht zu Ende,
denn gleich danach
spricht Elija zum Volk:
„Ergreift die Propheten Baal!
Keiner von ihnen soll entkommen“
Sofort packte man sie.
Dann ließ Elija
sie an den Bach Kischon hinabführen
und dort töten.
Mit diesen Morden dreht sich
die von Ahab und Isebel
begonnene Gewaltspirale weiter.
Und Elijas Triumph währt nur kurz.
Wie wir zu Beginn
der heutigen Lesung hörten,
droht Isebel Elija mit dem Tod:
Es soll dir ergehen
wie den Propheten,
die du getötet hast!

Hier wird deutlich:
Im Alten Testament geht es
durchaus auch gewalttätig zu.
Doch es wird Gewalt weder verherrlicht
noch Gewaltanwendung normalisiert.
Von einer Drecksarbeit,
die getan werden muss,
wird nicht gesprochen.
Und die Taten werden
beim Namen genannt.
Was auch immer
die Ziele in Kriegen sind -
Menschen werden verletzt,
Menschen werden getötet.
In der Bibel gibt es
auch keine Versuche,
Gewalt aus irgendwelchen Gründen
zu rechtfertigen.
Elija kann sich bei seinem Morden
nicht auf Gott berufen.
Dagegen gibt es im Alten Testament
immer wieder Propheten,
die eindrücklich vor militärischen Lösungen
und vor Allianzen warnen
und dagegen Verhandlungen,
Kompromisse oder auch
den Rückzug vorziehen.
Sie stellen es deutlich
als einen Irrweg dar, sich auf militärische
und politische Macht zu verlassen.
Und immer wieder zeigt sich,
dass die militärischen Siege
ohnehin nur von kurzer Dauer sind.
So wird auch in dieser Geschichte
aus dem Elija-Zyklus
in aller Klarheit gezeigt,
was passiert, wenn Gewalt
mit Gewalt beantwortet wird.
Es kommt zu einer
entsetzlichen Spirale der Gewalt.
Elijas vermeintlicher Sieg
wird schnell zur persönlichen Niederlage,
er muss um sein Leben fliehen,
der Kampf und die vielen Menschenopfer
waren letztlich völlig sinnlos.
Elija scheint dabei
auch die Hoffnung verloren zu haben.
Er hofft jetzt nicht mehr
auf ein neues Machtzeichen des Herrn,
kein Blitzschlag, womit Ahab,
Isebel und der ganze Königshof
ausgelöscht werden.
Stattdessen geht er
tiefer
in die Wüste hinein,
setzt sich unter einen Ginsterstrauch
und wünscht sich den Tod
.
„Es ist genug!“, sagt er.
„Herr, nimm mir doch das Leben!
Denn ich bin nicht besser
als meine Vorfahren.

Bei Elija erscheint zunächst
ein von Gott gesandter Engel
mit einer klaren Ansage:
„Steh auf und iss!“
Elija bekommt genau das,
was er ganz unmittelbar braucht:
eine klare Ansage,
die Möglichkeit sich auszuruhen
und etwas zum Essen
und zum Trinken.
So gestärkt macht sich Elija
auf den Weg zum Berg Horeb.
Der Horeb ist der Ort, an dem Mose
Gott im brennenden Dornbusch begegnet,
an dem er die Tora empfängt
und Gott einen Bund
mit den Israeliten schließt.
Er ist der Ursprungsort des Glaubens.
Elija kehrt zurück zu diesem Ursprungsort.
Dort kommt es
zu einer persönlichen Begegnung mit Gott.
Gott erscheint überraschend sanft,
ganz und gar nicht wie ein Kriegsgott.
Es gibt zwar
die „üblichen“ Begleiterscheinungen:
Sturm, Erdbeben und Feuer.
Aber erst im
sanften, feinen Flüstern
spricht Gott mit Elija.
Welcher Kontrast zum Beginn der Erzählung!
Nach dem spektakulären Wettbewerb
‚mit den Priestern auf Berg Karmel,
mit den vielen Spezialeffekten,
nach dem blutigen Massaker,
nach der überstürzten Flucht
wird auf einmal
alles sehr ruhig und friedlich.
Wir erleben einen Gott,
der sich fürsorglich, fast mütterlich,
um Elija kümmert
und mit leiser Stimme spricht.
Gott wirkt hier
durch ruhige Beharrlichkeit,
durch sanfte Macht.
Er hört sich Elijas Klagen an,
baut ihn auf und schickt ihn
mit neuen Aufträgen zurück.
In diesem Abschnitt aus

dem ersten Buch der Könige wird deutlich,
dass der Weg der Gewalt
zwar kurzfristige Siege verspricht,
aber keine langfristigen Lösungen,
und stattdessen meistens
nur zu mehr Gewalt führt.
Ahab stirbt am Ende
in einem von ihm aus Übermut
und Ehrgeiz angezettelten Krieg
gegen die benachbarten Aramäer.
Nach all den Kriegen und Kämpfen,
von denen das Alte Testament erzählt,
nach all den Versuchen
der Prophetinnen und Propheten,
der weisen und klugen Frauen und Männer,
die Menschen von Krieg
und Kampf abzubringen,
schwört schließlich Jesus Christus,
der Sohn Gottes, der Gewalt als Mittel ab:
„Denn wer das Schwert nimmt,
der wird durchs Schwert umkommen.
Oder meinst du,
ich könnte meinen Vater nicht bitten,
und er würde mir sogleich
mehr als zwölf Legionen Engel schicken?“
Aber es geht nicht nur darum,
dass der friedliche Weg,
für den Christinnen und Christen
sich einsetzen, prinzipiell richtig
und auch langfristig erfolgreicher ist,
sondern auch darum,
wie sie sich dafür einsetzen.
Das „sanfte, feine Flüstern“ Gottes
verspricht mehr Erfolg
und entspricht eher Gottes Auftrag.
Ich persönlich habe ohnehin Probleme
mit menschlichen Lautsprechern,
mit jenen, die sich
nur durch viel Lärm durchsetzen wollen,
mit sprachlicher und leider häufig
auch körperlicher Gewalt.
In den USA -
und nicht nur dort -
gibt es solche „Lautsprecher“.
Auch in unserem Land scheinen
jene Themen am wichtigsten zu sein,
die am lautesten
und am häufigsten beworben werden,
häufig ungeachtet des Wahrheitsgehalts.
Probleme werden aufgebauscht,
einzelne Bevölkerungsgruppen
als Schuldige identifiziert.
Nur möglichst laut
und aufregend soll es sein …
und manchmal auch
von den echten Problemen ablenken.
Frieden lässt sich
am besten friedlich vertreten,
am besten auch
in konkreten Handlungen und Projekten.
So geht z.B. hier in Springe
nicht nur im „Café International“ darum,
Menschen unterschiedlicher Herkunft
und religiöser Prägung in Kontakt
zueinander zu bringen und Brücken zu bauen.
Dadurch schaffen wir auch nachhaltig Frieden,
Schritt für Schritt, Mensch für Mensch.
Der Weg ist sicher mühsam,
und es gibt immer wieder Rückschritte.
Doch wir haben einen Gott,
der uns – wie den Elija –
tröstet und wieder aufbaut.
Darauf dürfen wir vertrauen.

Das wünscht Ihnen allen
in diesen schweren Tagen
Ihr Jürgen Peter Lesch

 
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