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Andacht für die Woche vom 8. Februar bis 14. Februar 2026
Andacht
für den Sonntag Sexagesimae
am 8. Februar 2026
und für die Woche
vom 8. Februar bis 14. Februar 2026
über die Lesung
aus dem Alten Testament.
Sie steht im Buch
des Propheten Jesaja
im 55. Kapitel
und darüber, dass auch „Quatsch“
wichtig sein kann.
Die Lesung Jesaja 55,1-13
ist überschrieben
„Gottes wunderbarer Weg“
Verfasser:
Pfarrer in Ruhe Jürgen-Peter Lesch
(Springe –
früher Pfarrer der EKD in Hannover)
Liebe Leserin, lieber Leser,
wer in diesen Tagen draußen unterwegs ist,
sei es zu Fuß, mit dem Fahrrad
oder dem Auto oder auch mit der Bahn,
der ist ab und zu dazu gezwungen,
anzuhalten und zu warten.
Oder er muss Umwege suchen,
um doch noch an sein Ziel zu kommen.
Und man darf dankbar sein,
sein Ziel sicher und mit nur wenig Verspätung
erreicht zu haben.
Stehenbleiben, Umwege suchen,
sich neu orientieren müssen -
das gilt nicht nur auf winterlichen Straßen.
Es bestimmt unser gesamtes Leben.
Immer wieder erlebe ich es -
und Sie wahrscheinlich auch -,
dass Pläne durchkreuzt werden.
Wege verlaufen anders,
als sie geplant waren. Es geschieht,
was wir nicht vorbereitet
oder erwartet haben.
Das Schema von Ursache und Wirkung,
auf das wir vertrauen, wird durchbrochen.
Das kann sehr enttäuschend,
ja erschreckend sein.
Oder ganz anders:
befreiend und motivierend.
Die Frage ist, wie wir damit umgehen.
Verstehen wir diese Geschehnisse
und Ereignisse in unserem Leben
als Schicksal? Sehen wir darin Zufälle?
Oder nehmen wir sie
hinein in unsere Glaubenserfahrungen,
in unsere Versuche, unser Leben
in einer Beziehung zu Gott zu gestalten?
Machen wir uns
gerade in solchen Situationen
auf die Suche nach Gott?
Zu einer solchen Suche
fordert der Prophet Jesaja
seine Hörerinnen und Hörer auf.
Es sind Israeliten,
die sich weitab
der Heimat in babylonischer
Gefangenschaft befinden.
Sie trauern um den Verlust des Landes
und sie beklagen ihr Schicksal.
Sie fühlen sich von Gott verlassen
und sehnen sich nach allem,
was sie verloren haben.
In ihrer Not öffnet Jesaja
ihnen die Augen.
Gerade jetzt, gerade hier
„an den Wassern von Babylon“ (Psalm 137,1)
können sie neue Gedanken entwickeln,
neue Wege entdecken.
Suchet den Herrn, solange er zu finden ist;
ruft ihn an, solange er nahe ist.
Der Gottlose lasse von seinem Wege
und der Übeltäter von seinen Gedanken
und bekehre sich zum Herrn,
so wird er sich seiner erbarmen,
und zu unserm Gott,
denn bei ihm ist viel Vergebung.
Denn meine Gedanken
sind nicht eure Gedanken,
und eure Wege sind nicht meine Wege,
spricht der Herr,
sondern so viel der Himmel
höher ist als die Erde,
so sind auch meine Wege
höher als eure Wege
und meine Gedanken als eure Gedanken.
Denn gleichwie der Regen
und Schnee vom Himmel fällt
und nicht wieder dahin zurückkehrt,
sondern feuchtet die Erde
und macht sie fruchtbar und lässt wachsen,
dass sie gibt Samen zu säen
und Brot zu essen, so soll das Wort,
das aus meinem Munde geht, auch sein:
Es wird nicht wieder leer
zu mir zurückkommen,
sondern wird tun, was mir gefällt,
und ihm wird gelingen,
wozu ich es sende.
Denn ihr sollt in Freuden ausziehen
und im Frieden geleitet werden.
Berge und Hügel sollen vor euch her
frohlocken mit Jauchzen
und alle Bäume auf dem Felde
in die Hände klatschen.
Es sollen Zypressen
statt Dornen wachsen
und Myrten statt Nesseln.
Und dem Herrn soll es
zum Ruhm geschehen
und zum ewigen Zeichen,
das nicht vergehen wird.
(Jesaja 55,1-23 - Lutherbibel 2017)
Bei den Israeliten
damals 570 vor Christus
war wohl immer wieder von Gott die Rede.
Man brachte das eigene Los
mit ihm zusammen,
fragte, ob er Israel verlassen habe,
überlegte, ob das eigene Verhalten
daran schuld sei.
Heute ist das anders.
Wenn ich mit anderen Menschen
über ihre Probleme und Hoffnungen rede,
ist eine Beziehung zu Gott
selten ein Thema.
Wenn überhaupt von ihm die Rede ist,
wird von ihm nichts erwartet.
Menschen haben die Lektion gelernt:
Sie sind für ihr Schicksal verantwortlich.
„Jeder ist seines Glückes Schmied“
hieß es früher.
Dass die Lebensumstände
dabei eine große Rolle spielen,
wird kaum thematisiert.
Dagegen steht die Zusage, die Gott
durch die Worte des Propheten macht:
Gott ist jetzt da.
Er bietet seine Hilfe an -
in allen Situationen unseres Lebens.
Sein Angebot ist verbunden
mit einer Aufforderung und einer Zusage.
Es ist die Aufforderung an uns,
unser Tun und Lassen
vor Gott zu verantworten
und damit aufzuhören,
anderen Menschen Schaden zuzufügen.
Dazu kommt die Zusage,
dass Vergebung möglich ist.
Nach dieser Klärung
stellt sich Gott in seiner Beziehung
zu uns Menschen vor:
„Denn meine Gedanken
sind nicht eure Gedanken,
und eure Wege
sind nicht meine Wege,
spricht der HERR“.
Das ist zunächst eine Enttäuschung
für jede und jeden,
der versucht, in seinem Leben
und im Geschehen um ihn herum
etwas von Gottes Handeln zu entdecken
und Gott sozusagen
auf die Spur zu kommen.
Diese Fragen treiben viele Menschen um,
die in christlichen Gemeinden
Verantwortung tragen
oder mehr oder minder
freiwillig übernommen haben.
Was sind Gottes Pläne für mich,
für meine Gemeinde,
für die christlichen Kirchen?
Das sind ihre Fragen.
Und dann die Antwort:
Meine Gedanken
sind nicht eure Gedanken,
meine Wege sind nicht eure Wege.
Das ist, wie gesagt, enttäuschend.
Doch es kann auch „ent-täuschend“,
ja befreiend sein.
Es hängt eben nicht alles
von unserem Tun und Lassen ab.
Wir dürfen darauf vertrauen,
dass Gott auch in schwierigen,
ja verzweifelten Situationen
neue Gedanken entstehen lässt
und uns neue Wege finden lässt.
Das ist nun kein Grund dafür,
die Hände in den Schoß zu legen.
Doch es schenkt Freiheit,
Neues zu entdecken
und Ungewöhnliches zu tun.
Das wird Gott selbst
durch sein Wort bewirken.
Doch das kann Zeit brauchen.
Deutlich macht dies
das Bild vom Regen und Schnee,
der auf die Erde fällt.
Feuchtigkeit oder Nässe
wirken zunächst im Verborgenen.
Erst wenn sich die Früchte zeigen,
lässt sich im Wortsinn „begreifen“,
wie wichtig sie gewesen sind.
Auch wenn das Wort Gottes
eher im Verborgenen wirkt
und wir zurzeit
immer häufiger daran zweifeln,
dass es etwas bewirkt,
so bleibt es doch bei Gottes Zusage:
Sein Wort „wird tun, was mir gefällt,
und ihm wird gelingen,
wozu ich es sende“.
Das kann und soll befreiend wirken
bei unserem Nachdenken und Planen,
wie es mit unseren christlichen Gemeinden
weitergehen wird in unserem Land
und auf der ganzen Erde.
Wir versuchen, alles zu tun,
um weiterhin das Evangelium,
Gottes gute Botschaft,
verbreiten zu können.
Weil wir dabei auch viele organisatorische
und strukturelle Fragen bedenken müssen,
verlässt uns manchmal der Mut.
Da hilft es wenig, wenn jemand sagt,
wir müssen loslassen können.
Oder dass das Evangelium
mit und ohne oder auch gegen uns
wirksam sein kann.
Wichtig ist, dass wir einander ermutigen.
Dass wir uns Zeit nehmen,
Gottes Wort zu hören,
die Bibel zu lesen,
unseren Glauben zu feiern.
Dass wir einander trösten,
wenn Trost gebraucht wird.
Und der wird gebraucht werden, denke ich.
Gut ist es,
sich gerade dann an die Zusage
und das Versprechen Gottes zu erinnern,
die uns durch Propheten Jesaja
von Gott gegeben sind:
Denn ihr sollt in Freuden ausziehen
und im Frieden geleitet werden.
Berge und Hügel sollen vor euch her
frohlocken mit Jauchzen
und alle Bäume auf dem Felde
in die Hände klatschen.
Es sollen Zypressen statt Dornen wachsen
und Myrten statt Nesseln.
Und dem Herrn soll es
zum Ruhm geschehen
und zum ewigen Zeichen,
das nicht vergehen wird.
„Die Bäume auf dem Felde
klatschen in die Hände.“
So ein Quatsch, wird mancher sagen.
Christen können das bestätigen.
Es ist Quatsch.
Aber es ist ein guter Quatsch, weil er
die überschäumende Freude ausdrückt,
die Gott uns schenken will.
Und es erinnert uns daran,
dass wir uns mit unserer Kritik
an manchen Vorschlägen,
wie wir die Zukunft
unserer Gemeinden gestalten sollen,
zurückhalten sollten.
Vielleicht lohnt es sich,
über manchen „Quatsch-Vorschlag“
länger nachzudenken und intensiver zu reden.
Vielleicht brauchen wir ja überhaupt
ein wenig mehr „Quatsch“,
wenn wir über unsere Zukunft nachdenken.
In diesem Sinn wünsche ich Ihnen
eine gesegnete neue Woche.
Ihr Jürgen Peter Lesch
