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Andacht für die Woche vom 3.August bis 9.August 2025
Andacht
für den 7. Sonntag nach Trinitatis
und für die Woche
vom 3.August bis 9.August 2025
über die Lesung
aus dem Alten Testament
Sie steht im 2.Mose / Exodus
im 16.Kapitel.
Sie ist überschrieben
„Speisung mit Wachteln und Manna“.
Verfasser:
Superintendent in Ruhe Jürgen Flohr
(Springe – früher Syke)
Es murrte die ganze Gemeinde der Israeliten
wider Mose und Aaron in der Wüste.
Und die Israeliten sprachen:
Wollte Gott, wir wären in Ägypten gestorben
durch des Herrn Hand,
als wir bei den Fleischtöpfen saßen
und hatten Brot die Fülle zu essen.
Denn ihr habt uns
dazu herausgeführt in diese Wüste,
dass ihr diese ganze Gemeinde
an Hunger sterben lasst.
Und der Herr sprach zu Mose:
Ich habe das Murren der Israeliten gehört.
Sage ihnen: Gegen Abend
sollt ihr Fleisch zu essen haben
und am Morgen von Brot satt werden
und sollt innewerden,
dass ich, der Herr, euer Gott bin.
Und am Abend kamen Wachteln herauf
und bedeckten das Lager.
Und am Morgen lag Tau rings um das Lager.
Und als der Tau weg war,
siehe, da lag's in der Wüste
rund und klein
wie Reif auf der Erde.
Und als es die Israeliten sahen,
sprachen sie untereinander: Man hu?
Denn sie wussten nicht,
was es war.
Mose aber sprach zu ihnen:
Es ist das Brot,
das euch der Herr
zu essen gegeben hat.
Das ist's aber,
was der Herr geboten hat:
Ein jeder sammle,
soviel er zum Essen braucht,
einen Krug voll für jeden
nach der Zahl der Leute
in seinem Zelte.
Und die Israeliten taten's
und sammelten, einer viel,
der andere wenig.
Aber als man's nachmaß,
hatte der nicht darüber,
der viel gesammelt hatte,
und der nicht darunter,
der wenig gesammelt hatte.
Jeder hatte gesammelt,
soviel er zum Essen brauchte.
Liebe Lesende!
Sie murren, die durch die Wüste
wandernden Israeliten,
weil sie Hunger haben, großen Hunger.
Und im Rückblick auf die Zeit
der Knechtschaft in Ägypten
vergolden sie ihre Vergangenheit.
Aus der sicherlich eher kargen Verpflegung
der von den Ägyptern versklavten Israeliten
werden in der Erinnerung
Fleischtöpfe mit reichlich Brot.
So etwas kennen wir doch,
dass uns vergangene Zeiten
im Rückblick viel besser erscheinen
als sie tatsächlich waren.
Man spricht doch auch heute
zuweilen von der „guten alten Zeit“,
in der alles besser war
als in der Gegenwart;
doch kaum jemand kann erklären,
wann jene „gute alte Zeit“ denn war.
Sie bleibt im Unklaren
und ist wohl auch eher
eine Vergoldung der Vergangenheit.
Sie murren also,
die hungernden Israeliten;
sie klagen, sie schimpfen,
sie beschweren sich bei Mose
und seinem Bruder Aaron, -
so wie wir Deutschen
auch gern klagen
über die gegenwärtige Lage,
wo alles schwieriger und teurer
und komplizierter
zu sein scheint als früher.
Und auch wir
geben unseren Anführer/innen
die Schuld, den Politiker/innen.
So weit, so ähnlich!
Doch es ist ja sehr menschlich
und durchaus verständlich,
dass Hunger die Menschen
aufwühlt und erregt; denn ohne Nahrung
und Wasser können wir Menschen
nicht überleben.
Das sieht aber in unserer Erzählung
auch Gott so.
Er tadelt nämlich das Murren
der Israeliten nicht,
sondern er akzeptiert ihren Protest,
er sieht ihre Not und er hilft ihnen.
Was dann dort in der Wüste geschieht,
das kann man ein Wunder nennen;
man kann aber auch sagen:
Gott öffnet dem Volk die Augen,
wie sie auch
in der Wüste überleben können.
Da gibt es die Wachteln,
kleinere Hühnervögel,
die als Zugvögel
über die Sinai-Halbinsel ziehen,
die dort rasten und in ermattetem Zustand
leicht zu greifen sind,
sogar mit bloßen Händen.
So gibt es Fleisch genug für alle.
Und es gibt auch so etwas wie Brot.
Es liegt klein und rund auf der Erde.
Die Israeliten fragen,
als sie es finden, „man hu“?
Was ist das?
Daher heißt es nachher Manna.
Man kann es essen, dieses Manna;
es wird bei Abkühlung
hart und ist süß und honigartig;
es verfällt aber dann
durch die Hitze des Tages.
Darum kann man es
nicht lange aufheben
oder konservieren.
Es macht satt für einen Tag.
Das ist wichtig für eine Lehre
aus dieser Erzählung:
Die Israeliten bleiben angewiesen
auf Gottes Güte.
Sie haben zu essen,
aber sie haben es nur
für den jeweiligen Tag.
Sie können damit keine Vorräte anlegen.
Es ist wie das „tägliche Brot“
aus dem Vater-Unser von Jesus.
Uns Heutigen ist dieses Denken
ziemlich fremd.
Wir sind vielmehr gerade auf Vorsorge aus,
auf Versorgung über den Tag hinaus.
Wir sparen Geld
und schließen Versicherungen ab
und legen Vorräte an,
um uns abzusichern,
und das ist für unseren normalen Alltag
vielleicht auch ganz vernünftig.
Aber dann werden wir
womöglich plötzlich krank,
oder wir verlieren unseren Arbeitsplatz
oder einen geliebten Menschen.
Und woran halten wir uns dann fest?
Wenden wir uns dann
eventuell doch an den Vater im Himmel,
der wirklich helfen und trösten
und uns endgültig retten kann, -
so wie Mose sich immer wieder
an Gott gewandt hat im Gebet
und wie Jesus es getan
und uns vorgemacht hat?
Solches zuversichtliche Vertrauen
auf Gott kann uns diese Erzählung lehren:
Dass Gott den Menschen beistehen will,
die sich an ihn wenden und auf ihn verlassen.
Und mir scheint,
dass diese Erzählung auch dafür werben will,
dass jeder Mensch
das „tägliche Brot“ bekommen sollte
und nicht der eine zu viel
und der andere zu wenig.
Das wäre doch ein schöner Grundsatz,
nicht nur für unser Land,
sondern auch weltweit.
Natürlich sind wir davon weit entfernt,
und viele Menschen
wollen das auch gar nicht;
aber sollten wir,
die wir auf den Gott der Bibel vertrauen,
der alle Menschen liebt, -
sollten wir nicht
für einen solchen Grundsatz eintreten,
damit es weniger wird
mit dem Hunger in aller Welt?
Jürgen Flohr
