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Andacht für die Woche vom 27. April bis 3.Mai 2025
Andacht für die Woche
vom 27. April bis 3.Mai 2025
über die Lesung
aus dem Alten Testament
für den Sonntag Quasimodogeniti
Sie steht im Buch Jesaja 40,21-31
und ist überschrieben mit
„Israels unvergleichlicher Gott“
Verfasser:
Pfarrer in Ruhe Jürgen-Peter Lesch
(Springe –
früher Pfarrer der EKD in Hannover)
Liebe Leserin, lieber Leser,
während des Osterfestes ist eine Diskussion
über die Frage angestoßen worden,
wie politisch sich christliche Kirchen
äußern sollten.
Es ist sicher sinnvoll,
wenn sich Politiker/innen
wie Journalist/innen
mit theologischen Fragen befassen.
Allerdings hilft bei der Beantwortung
der eine oder andere Blick in die Bibel.
Oder auch nur ein offenes Ohr
im Gottesdienst am 4. Sonntag im Advent.
Dort wird das Magnifikat,
der Lobgesang der Maria, gelesen.
Sie sagt über ihren Sohn Jesus,
den sie erwartet:
„Er übt Gewalt mit seinem Arm
und zerstreut, die hoffärtig sind
in ihrem Herzen.
Er stößt die Gewaltigen vom Thron
und erhebt die Niedrigen.
Die Hungrigen füllt er mit Gütern
und lässt die Reichen
leer ausgehen“
Lukas 1,51-53
Diese Kritik an ungerechten Verhältnissen
findet sich nicht nur an dieser Stelle.
Sie zieht sich durch das Alte
wie das Neue Testament.
Man kann dies lesen
und keine Konsequenzen
daraus ziehen.
Man kann aber auch,
und das tun Christinnen und Christen,
diese Aussagen
als Aufforderung verstehen,
sich gegen Ungerechtigkeit,
Armut und Unterdrückung einzusetzen.
Und damit politisch wirksam zu werden.
Christinnen und Christen
sehen sich dabei von Gott beauftragt.
Einer der vielen Texte der Bibel
zu diesem Thema
steht im Buch Jesaja.
Er ist als alttestamentliche Lesung
und möglicher Predigttext
dem Sonntag Quasimodogeniti zugeordnet:
„Wisst ihr es denn noch nicht?
Habt ihr es noch nicht gehört?
Ist es euch nicht schon längst bekannt?
Habt ihr es nicht immer wieder erfahren,
seitdem die Erde besteht?
Gott thront so hoch über dem Erdkreis,
dass die Menschen darauf
wie Heuschrecken erscheinen.
Er spannt den Himmel aus
wie einen Schleier.
Er breitet ihn aus wie ein Zelt,
in dem man wohnen kann.
Er gibt die Fürsten preis,
dass sie nichts sind,
und den Richtern auf der Erde
nimmt er jede Macht.
Es ergeht ihnen wie Pflanzen.
Kaum sind sie gepflanzt,
kaum sind sie gesät,
kaum wurzelt ihr Stamm
in der Erde,
lässt er einen heißen Wind
über sie wehen.
Sie verdorren,
und ein Wirbelsturm bläst sie fort
wie Spreu.
Mit wem wollt ihr mich
also vergleichen,
dem ich gleich sei?,
spricht der Heilige.
Hebt eure Augen in die Höhe
und seht! Wer hat all dies geschaffen?
Er führt ihr Heer* vollzählig heraus
und ruft sie alle mit Namen;
seine Macht und starke Kraft
ist so groß, dass nicht eins
von ihnen fehlt.
Wozu sprichst du denn, Jakob,
und du, Israel, sagst:
„Mein Weg ist dem Herrn verborgen,
und mein Recht
geht an meinem Gott vorüber“?
Weißt du nicht? Hast du nicht gehört?
Der Herr, der ewige Gott,
der die Enden der Erde geschaffen hat,
wird nicht müde noch matt,
sein Verstand ist unausforschlich.
Er gibt dem Müden Kraft,
und Stärke genug
dem Unvermögenden.
Junge Männer werden müde und matt,
starke Krieger straucheln und fallen;
aber die auf den Herrn harren,
kriegen neue Kraft,
dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler,
dass sie laufen und nicht matt werden,
dass sie wandeln
und nicht müde werden.“
Jesaja 40,21-31
Hier geht es zunächst
um einen Trost für das Volk Israel,
das Volk Gottes.
Doch die Aussagen in dem Text
gehen weit darüber hinaus.
Mit den drei Fragen zu Beginn
werden die Menschen
an ihre Verantwortung
gegenüber Gottes Schöpfung
und so Gott selbst gegenüber erinnert.
Mit dem Bild von den Heuschrecken
werden sie in ihre Schranken gewiesen.
Wobei alle Menschen davon betroffen sind.
Damit wird das widerliche Gerede
von einzelnen, die andere Menschen
als Ungeziefer bezeichnen, entlarvt.
„Er gibt die Fürsten preis“:
Die Gottesherrschaft bedeutet
auch den Konflikt mit den „Herrschenden“
und die Zuwendung zu den Menschen,
die auf Gott hoffen.
Danach wird noch einmal
der Blick auf Gott
als den Schöpfer des Himmels
und der Erde gelenkt.
Dann wendet sich Jesaja
dem Volk Israel zu.
In den Fragen wird die Spannung,
ja der Abgrund zwischen dem,
was die Herrschenden in Israel
seit Wochen und Monaten tun,
und dem, wozu sie
berufen sind, deutlich.
Sollte doch der Staat Israel
im Sinn seiner Gründer
ein „Licht unter den Völkern“ sein.
Am Ende wird wieder
Gottes Wille deutlich.
Es geht um ausgleichende Gerechtigkeit
vor allem gegenüber den Herrschenden.
Und es geht um die Kraft,
die jene Menschen erfüllt,
die auf Gott vertrauen.
„Gottvertrauen“ ist das Ende
und zugleich das Ziel dieser Textpassage
aus dem Buch Jesaja.
Dieses Gottvertrauen wird
durch die Auferstehung von Jesus Christus
und seinem Sieg über den Tod neu gestärkt.
Daraus erwächst unsere Aufgabe
als Christinnen und Christen.
Sie ist, Gott mehr zu gehorchen
als den Menschen,
auch als politisch bzw. in den Medien
gefragten Ansichten,
egal, welcher Prägung oder Herkunft.
- Deshalb bezeugen wir
die eine, unbedingte Liebe Gottes
zu allen Menschen und allen Geschöpfen.
- Deshalb widersprechen wir,
wo immer die gottgegebene Würde
von Menschen verletzt wird.
- Deshalb ergreifen wir
in der Nachfolge Christi
Partei für Schwache, Leidende
und Unterdrückte.
- Deshalb treten wir ein
für den Schutz menschlichen Lebens
von Anbeginn bis zum Ende
- Deshalb engagieren wir uns
für Gerechtigkeit, Frieden
und die Bewahrung der Schöpfung.
Wir wissen es als Kirche
politisch nicht besser
und sind keine parteipolitische NGO.
Wir brauchen den offenen,
demokratischen Diskurs
von konservativen, liberalen,
sozialen und ökologischen Perspektiven.
Und es ist gut,
dass Christinnen und Christen
verschiedenster demokratischer Parteien
in unseren Gemeinden
wie Gremien mitwirken
und geistlich beheimatet sind.
Doch um Christi willen
können wir nicht
„die Politik den Politiker/innen überlassen“ –
weil es in ihr
um den Menschen geht
und um Gottes Schöpfung.
Ganz abgesehen davon:
Was wäre dies
für ein Grundverständnis
demokratischer Teilhabe?
Als Kirche können wir dankbar sein
für den demokratischen Rechtsstaat,
in dem wir leben, und für alle,
die sich für seinen Erhalt engagieren.
Unser Beitrag dazu ist es, im Anschluss
an die Barmer Theologische Erklärung,
„an Gottes Reich, an Gottes Gebot
und Gerechtigkeit und damit
an die Verantwortung der Regierenden
und Regierten“ zu erinnern (so These V).
Das gehört zum „Kerngeschäft“
unserer Kirche in unserer Gesellschaft.
Ich wünsche Ihnen eine gesegnete neue Woche.
Jürgen-Peter Lesch
* Das Heer der Himmelskörper.
Vgl. den Text des Liedes:
Weißt du, wie viel Sternlein stehen
an dem blauen Himmelszelt?
Weißt du, wie viel Wolken gehen
weithin über alle Welt?
Gott, der Herr, hat sie gezählet,
dass ihm auch nicht eines fehlet
an der ganzen großen Zahl,
an der ganzen großen Zahl.
