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Andacht für die Woche vom 23. Februar bis 1. März 2025
Andacht für die Woche
vom 23. Februar
bis 1. März 2025
über die Epistel
des Sonntags Sexagesimae
aus dem Brief an die Hebräer 4, 12-13
„Die verheißene Gottesruhe“
Verfasser:
Superintendent in Ruhe Christian Klatt
(Springe)
„Das Wort Gottes ist lebendig
und kräftig und schärfer
als jedes zweischneidige Schwert
und dringt durch,
bis es scheidet Seele und Geist,
auch Mark und Bein,
und ist ein Richter der Gedanken
und Sinne des Herzens.
Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen,
sondern es ist alles bloß
und aufgedeckt vor den Augen dessen,
dem wir Rechenschaft geben müssen.“
„Lebendig und kräftig und schärfer“ –
der Hebräerbrief schreibt dem Wort Gottes
drei handfeste Eigenschaften zu.
Die beiden ersten klingen ermutigend.
Das Wort Gottes,
wie es uns in der Heiligen Schrift
und in der Predigt des Evangeliums
zugesagt wird,
ist lebendig und kräftig.
Statistisch gesehen, scheinen sich
zwar immer weniger Menschen
dafür zu interessieren.
Aber selbst Bertold Brecht,
der mit Kirche und Glauben
wenig am Hut hatte, hat die Bibel
als das wichtigste Buch bezeichnet.
Sie steckt voller Leben
und hat nichts von ihrer Kraft verloren.
Sie sagt uns, dass Gott
mit seinem Heiligen Geist unter uns
gegenwärtig ist,
und sie ruft uns zu einem Leben
in Gerechtigkeit und Frieden.
Das ist eine gute Botschaft,
die uns ermutigt,
dass wir uns in dieser Welt,
die gegenwärtig immer verrückter
und unübersichtlicher zu werden scheint,
mit Herz und Verstand engagieren.
Es ist eine große Lebenshilfe,
wenn wir uns von Gottes Wort
ansprechen lassen
und auch danach leben.
Das dritte Adjektiv allerdings
klingt verstörend, ja bedrohlich:
Gottes Wort ist schärfer,
und zwar schärfer als jedes
zweischneidige Schwert.
An der Stadtkirche zu Wittenberg,
der Predigtstätte Martin Luthers,
ist ein mittelalterliches Relief
aus Sandstein zu sehen.
Es zeigt Christus als den Weltenrichter.
In seinem Mund hält er ein großes,
zweischneidiges Schwert
als Symbol für den Richterspruch,
dem niemand ausweichen kann.
Das ist eine für unser Empfinden
schaurige Darstellung.
Sie war aber ein bildhafter Ausdruck
für die Angst der Menschen
in damaliger Zeit, die auch
den jungen Augustinermönch Luther
umgetrieben hat:
die Angst vor der ewigen Verdammnis.
Die Worte unserer Sonntagsepistel
scheinen dieses Gefühl der Bedrohung
zu verstärken.
Doch das Schwert,
von dem hier die Rede ist,
ist nicht das Schwert eines Henkers.
Gott will uns nicht verdammen
und vernichten. Er will vielmehr helfen
und heilen und retten.
Sein Wort kann man vielleicht eher
mit dem scharfen Seziermesser
eines guten Chirurgen vergleichen.
Ein Chirurg schneidet auf,
um den Herd der Krankheit zu entfernen
und einen Prozess der Heilung
in Gang zu bringen.
Diese heilsame Wirkung will Gott
durch sein Wort bei uns entfalten.
Er ist „ein Richter der Gedanken
und Sinne des Herzens.“
Es sind viele Gedanken
und Sinne in unserem Herzen,
über die wir nicht gerne reden,
die wir in uns hineinfressen,
die wir vor unseren Mitmenschen
verheimlichen, die aber umso stärker
in uns arbeiten und uns oftmals blockieren.
Vor Gott aber
„ist alles bloß und aufgedeckt.“
Wenn wir uns dieser Wahrheit stellen
und ihr nicht ausweichen,
ist das ein erster Schritt
zu einer seelischen Befreiung.
Am Ende werden wir nicht
vor einem gnadenlosen Richter stehen,
sondern vor einem barmherzigen Vater,
der uns mit offenen Armen empfängt,
wenn wir, wie der verlorene Sohn,
zu ihm umkehren.
„Lebendig und kräftig und schärfer“ –
gut, dass Gott so mit uns redet.
Ich wünsche uns ein hörendes Herz
und viel Lebensmut und Zuversicht
in diesen schwierigen Zeiten.
Ihr Christian Klatt
