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Andacht für die Woche vom 22. Februar 2026 bis 28. Februar 2026
Andacht
für den Sonntag Invokavit
und für die Woche
vom 22. Februar 2026
bis 28. Februar 2026
über die Lesung
aus dem Alten Testament.
Sie steht im
1. Buch
Kapitel 3,1-24.
Sie ist überschrieben
„Der Sündenfall“.
Verfasser:
Superintendent in Ruhe
Christian Klatt
(Springe)
Die alttestamentliche Lesung
am Sonntag Invocavit
zu Beginn der Passionszeit
ist eine der bekanntesten
Geschichten der Bibel:
die Geschichte vom „Sündenfall.“
Adam und Eva essen verbotenerweise
eine Frucht vom Baum
in der Mitte des Gartens Eden.
Die Schlange hatte sie dazu überredet:
Ihnen würden die Augen aufgehen
und „ihr werdet sein wie Gott
und wissen, was gut und böse ist.“
Doch das Einzige,
was sie hinterher erkennen,
ist, dass sie nackt sind.
In peinlicher Scham bedecken sie
ihre Blöße mit Blättern
und verstecken sich.
Von Gott zur Rede gestellt,
versuchen sie sich rauszureden.
Adam: „Die Frau,
die du mit zugesellt hast,
gab mir von dem Baum.“
Eva: „Die Schlange betrog mich,
so dass ich aß.“
Gott aber kündigt ihnen für die Zukunft
ein Leben voller Mühsal an
und weist sie aus dem Paradies aus.
Das Ganze mutet
wie ein uralter Mythos
aus grauer Vorzeit an.
Aber auch als moderne Leser
fühlen wir uns
von dieser Geschichte angesprochen.
Denn wir merken:
Hier soll uns nicht etwas
aus der Biographie
der ersten Menschen erzählt werden,
sondern etwas, was uns alle
in unserem Menschsein betrifft.
Darauf deuten schon die Namen hin.
„Adam“ ist eine hebräische Vokabel
mit der Bedeutung „Mensch.“
Und „Eva“ heißt übersetzt
„Mutter des Lebens.“
Diese beiden, Mann und Frau,
stehen also für das Ganze der Menschheit.
Nicht was die ersten Menschen
erlebt und getan haben,
sondern was Menschen
immer wieder tun und erleben,
ist das Thema
dieser Geschichte vom Sündenfall.
Der Begriff „Sündenfall“,
mit dem in unserer Bibel
dieses Kapitel überschrieben ist,
ist freilich missverständlich.
Ein Verbrechen wird hier
ja nicht erzählt.
Das findet erst im nächsten Kapitel statt,
als Kain seinen Bruder Abel totschlägt.
Und doch geschieht hier
etwas ganz Verheerendes:
ein tiefes Misstrauen macht sich breit.
Was hat Gott eigentlich gemeint
mit seinem Verbot,
von den Früchten des Baums
mitten im Garten zu essen?
Wollte er uns etwas vorenthalten?
Vielleicht würden sich uns
durch diese Früchte
ungeahnte Möglichkeiten eröffnen,
die uns frei und unabhängig machen!
„Ihr werdet sein wie Gott“,
das ist er entscheidende Anstoß,
der zum Unheil führt.
Nein, das ist kein Mythos
aus alter Zeit, sondern das
ist die Wahrheit unseres Lebens.
So sind wir Menschen:
Wir leben nicht im Einverständnis mit Gott,
sondern handeln nach eigenem Gutdünken
und wollen hoch hinaus.
Eine Überheblichkeit macht sich breit,
eine Hybris, die sich nicht mehr
an Gottes Wort und Willen gebunden weiß,
sondern das eigene Ich,
den eigenen Willen in den Mittelpunkt stellt.
Vielleicht ist das jetzt
etwas hart geurteilt.
Aber was uns diese biblische Geschichte
über Adam und Eva erzählt,
zieht sich bis heute
durch die Geschichte der Menschheit
mit all ihren schlimmen Auswüchsen.
Am Ende entlässt Gott die Menschen
aus seiner Nähe,
vertreibt sie aus dem Paradies.
Sie wollten sich über ihn erheben
und „sein wie Gott“,
nun müssen sie
ohne ihn leben
mit aller Last und Mühsal auf Erden.
Doch nicht ganz!
Die Geschichte endet
mit einer rührenden Szene.
Gott selbst setzt sich hin
und nimmt Tierfelle
und näht daraus Kleidung
für die beiden
und zieht sie ihnen an.
Mit anderen Worten:
Die Menschen werden
nicht ohne Gottes Schutz und Hilfe
ihrem Schicksal überlassen.
Eine Erfahrung, die wir doch
auch aus unserem eigenen Erleben
bestätigen können.
Und in der Passionszeit, die nun
mit dem Sonntag Invocavit beginnt,
werden wir hören,
dass Gott selbst das Paradies verlassen hat
und hineingekommen ist in unsere Welt
voller Leid und Schuld.
Allem Unheil hat sein Sohn Jesus Christus
die Liebe und den Frieden Gottes
entgegengesetzt, so dass unter uns
das Gottvertrauen und die Hoffnung
wieder wachsen können.
So wollen wir ihn
mit dem Wochenlied dieses Sonntags bitten:
„Ach bleib mit deiner Gnade
bei uns, Herr Jesu Christ,
dass uns hinfort nicht schade
des bösen Feindes List.
Ach bleib mit deiner Treue
bei uns, mein Herr und Gott;
Beständigkeit verleihe,
hilf uns aus aller Not.“
Ich wünsche Ihnen Gottes Segen
und viel Glaubenszuversicht
in den Wochen der Passionszeit.
Ihr Christian Klatt
