St. Vincenz zu Altenhagen I

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Andacht für die Woche vom 20. April bis 26. April 2025

19.04.2025

Andacht für die Woche
vom 20. April
bis 26. April 2025
über die Lesung
aus dem Alten Testament

zu Ostersonntag, Ostermontag
und die ganze Osterwoche.
Sie steht 1. Samuel 2,1-8
und ist überschrieben

Der Logbesang der Hanna“
Verfasser:
Superintendent in Ruhe Christian Klatt
(Springe)


„Mein Herz ist fröhlich in dem Herrn,
mein Haupt ist erhöht in dem Herrn.
Mein Mund hat sich weit aufgetan,
denn ich freue mich deines Heils.“
Mit diesen Worten beginnt
die Lesung aus dem Alten Testament
am Ostersonntag.
Es ist das Gebet
einer nicht mehr ganz jungen Mutter.
Jahrelang hatte Hanna
auf Nachwuchs gewartet
und war wegen ihrer Kinderlosigkeit
oft gehänselt worden.
Doch nun hatte sie
einen Sohn geboren, Samuel,
und da kann sie gar nicht anders
und stimmt einen Lobgesang an:
„Mein Herz ist fröhlich in dem Herrn.“

Das sind in der Tat
auch die richtigen Worte für das Osterfest.
Wo neues Leben geschenkt wird,
da brechen Freude und Jubel aus.
Das ist bei der Geburt eines Kindes
nicht anders als
bei der Auferstehung von den Toten.
Darum sind auch unsere Osterchoräle
Lieder der Freude.
„Wir wollen alle fröhlich sein
in dieser österlichen Zeit!“

Allerdings ist der Osterglaube
nicht mit einem Gefühlsrausch zu verwechseln,
wo alle Fragen und Zweifel
mit einem Schwall der Begeisterung
einfach weggewischt werden.
Zu unerhört ist diese Botschaft,
dass Jesus von den Toten auferstanden sei.
Nicht nur unserem Verstand
will das nicht einleuchten.
Auch unsere Erfahrungen sprechen dagegen.
Immer wieder erleben wir es,
dass der Tod das letzte Wort behält;
in unserem persönlichen Umfeld
ebenso wie im Weltgeschehen.
Und auch unser eigenes Leben
läuft unweigerlich auf dieses Ende zu.
Wie bringen wir das
mit der biblischen Osterbotschaft zusammen?

Solche dunklen Todeserfahrungen
werden in diesem Lobgesang
nun aber nicht verschwiegen.
In ihrem Mutterglück vergisst Hanna nicht,
dass es auch ganz andere Schicksale gibt.
Auch dafür findet sie Worte,
die allerdings aufs höchste erstaunlich sind:
„Der Herr tötet und macht lebendig,
führt hinab zu den Toten
und wieder herauf.“
Das ist in der Tat e
in ganz ungewöhnlicher Satz in der Bibel,

die doch sonst hauptsächlich
von dem Gott der Liebe
und des Lebens redet.
Hier aber wird uns gesagt,
dass wir es auch
in den tiefen Tälern unseres Lebens,
ja auch im Tod mit Gott zu tun haben.
„Der Herr tötet und macht lebendig,
führt hinab zu den Toten
und wieder herauf.“

Für Martin Luther war das
eine ganz wichtige Bibelstelle.
Er hat sie mehrfach zitiert und gesagt:
Hier zeigt sich,
dass Gott sich oft
unter dem Gegenteil dessen verbirgt,
was wir von ihm erwarten.
Wir erleben das dann
jeweils als eine schwere Anfechtung
für unseren Glauben.
Aber die Verborgenheit Gottes
bedeutet nicht,
dass er jedes Interesse
an uns verloren hätte
und uns unserem Schicksal überließe.
Auch wenn wir Gott
oftmals nicht verstehen,
auch wenn es Augenblicke gibt,
in denen wir nur noch
mit ihm hadern können –
er lässt uns nicht fallen,
er bleibt der, der an uns handelt,
auch im Leiden und Sterben.
„Der Herr tötet und macht lebendig,
führt hinab zu den Toten
und wieder herauf.“

Die spannungsvolle Paradoxie
dieses Bibelwortes hat sich
zu Ostern bestätigt.
An dem Geschick Jesu
ist das deutlich geworden.
Als es für ihn ans Sterben ging,
da hat er auch mit Gott gerungen
im Garten Gethsemane.
Aber er ist diesen Weg gegangen,
den Weg ans Kreuz,
den Weg hinab in das Reich des Todes
und wieder herauf.
Das, was Menschen
auf dieser Erde erleiden müssen
oder sich gegenseitig antun,
das ist ihm nicht fremd geblieben.
Aber er hat sich den Mächten
dieser Welt nicht ausgeliefert gefühlt,
sondern hat sein Leben
in Gottes Hand gelegt.
Und dort war und blieb es gerettet
durch den Tod hindurch.

Das ist die frohe Botschaft,
die uns allen gilt:

In Gottes Hand ist und bleibt
das Leben gerettet, auch
durch den Tod hindurch.
Diese Osterbotschaft gibt uns
Trost und Hoffnung,
nicht erst auf dem Sterbebett,
sondern auch schon jetzt mitten im Leben.
Zum Schluss ihres Lobgesangs
findet Hanna starke Worte der Ermutigung:
„Der Herr macht arm
und macht reich;
er erniedrigt und erhöht.
Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub
und erhöht den Armen aus der Asche.“
Das klingt wie eine revolutionäre Umwälzung
aller Verhältnisse.
Man muss sich gewiss hüten,
solche Bibelzitate ideologisch
zu missbrauchen.
Aber daran ist kein Zweifel:
Gott steht auf der Seite der Schwachen,
und er erwartet das auch von uns.
Gott will das Leben,
und alles, was das Leben
einschränkt oder bedroht,
will er beseitigt sehen,
und wir sollen, soweit wir können,
daran mitwirken im Namen
unseres auferstandenen Herrn.
Damit wir nicht nur fröhliche Osterlieder singen,
sondern glaubwürdige Zeugen
der Osterbotschaft werden.

 

Ich grüße Sie mit herzlichen Wünschen
für eine gesegnete Osterzeit,

Ihr Christian Klatt

 
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