St. Vincenz zu Altenhagen I

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Andacht für die Woche vom 18. Januar bis 24. Januar 2026

17.01.2026

Andacht
für den 2. Sonntag nach Epiphanias
und für die Woche
vom
18. Januar bis 24. Januar 2026
über die Lesung
aus dem Alten Testament

Sie steht im 2. Buch Mose
im 33. Kapitel.
Sie ist überschrieben
„Mose begehrt, des Herrn Herrlichkeit zu schauen“
Verfasser:
Superintendent in Ruhe Jürgen Flohr
(Springe – früher Syke)


Mose sprach zu dem H e r r n:
Lass mich deine Herrlichkeit sehen!

Und er sprach:
Ich will vor deinem Angesicht
all meine Güte vorübergehen lassen

und will ausrufen
den Namen des H e r r n vor dir:

Wem ich gnädig bin,
dem bin ich gnädig,

und wessen ich mich erbarme,
dessen erbarme ich mich.

Und er spach weiter:
Mein Angesicht kannst du nicht sehen;

denn kein Mensch wird leben,
der mich sieht.

Und der H e r r sprach weiter:
Siehe, es ist ein Raum bei mir,
da sollst du auf dem Fels stehen.
Wenn dann
meine Herrlichkeit vorübergeht,
will ich dich in die Felskluft stellen

und meine Hand über dir halten,
bis ich vorübergegangen bin.
Dann will ich
meine Hand von dir tun,
und du darfst
hinter mir her sehen;
aber mein Angesicht
kann man nicht sehen.

 

Liebe Lesende,

Gott sehen in seiner Herrlichkeit,
das möchte Mose;
können wir ihm das nachfühlen?
Gott schauen
und vielleicht sogar
mit ihm sprechen,
möchten das nicht
viele unter denen,
die an ihn glauben?
Und womöglich sehnen sich
danach sogar einige,
die nicht an Gott glauben können.

Doch das ist nicht möglich,
erfährt Mose als immerhin
der von Gott beauftragte Führer
der Israeliten, der sie
aus der Knechtschaft in Ägypten
befreit hat und der sie
nun durch die Wüste des Sinai
ins gelobte Land führen soll.

Aber: „Kein Mensch wird leben,
der mich sieht“ hört Mose von Gott.

Was Mose gestattet wird, ist dies:
Gott will an einem Felsen vorübergehen,
auf dem Mose steht.
Währenddessen hält Gott
seine schützende Hand über Mose
und bewahrt ihn so
vor der tödlichen Macht
der Gottesbegegnung.
Aber hinter Gott hersehen darf Mose
und ihn so erfahren.

Diese Vorstellungen von
einem persönlichen Umgang
mit dem ewigen Gott
sind uns wohl etwas fremd,
aber versuchen wir weiter,
zu verstehen, was hier geschieht
und was es für uns bedeuten kann:

Wie kam es eigentlich
zu jener Bitte des Mose
gegenüber Gott?

Mose hatte den Auftrag von Gott,
die Israeliten aus der Sklaverei
in Ägypten zu befreien
und ins verheißene Land zu führen.
Diese Aufgabe hatte er
bisher erfolgreich ausgeführt
und deshalb Gnade
bei Gott gefunden.
Darum wollte Mose den Gott,
der mit seinem Volk und ihm selber
einen Bund geschlossen hatte,
genauer kennen lernen
und ihn am liebsten
„in seiner Herrlichkeit sehen“.

Mose war ja Gott

schon mehrfach intensiv begegnet:
Zuerst am „brennenden Dornbusch“
ebenfalls im Sinai,
dann durch den gewaltigen Auftrag,
sein Volk zu befreien und anzuführen,
schließlich durch die Gabe
der 10 Gebote.

Das aber waren alles gewisser-
maßen indirekte Begegnungen mit Gott.
Nun wünschte sich Mose
eine direkte Anschauung Gottes
in seiner Herrlichkeit;
die aber wurde ihm nicht gewährt.
Doch immerhin durfte Mose
dieser Macht Gottes hinterher sehen.

Was sagt diese Erzählung uns?

Sie lehrt uns zuerst,

dass wir Menschen
Gott nur im Glauben
erfahren können,
nicht aber im Schauen.
Die Wirklichkeit Gottes
ist von unserer menschlichen Realität
so sehr unterschieden,
dass wir Gott nicht so begegnen können
wie einem anderen Menschen.
Wir können Gott anders erfahren:
Etwa im glaubenden Vertrauen
auf Gottes Begleitung unseres Weges
oder im Beten
oder im Befolgen seiner Gebote.
Auch indem wir uns
als seine Gemeinde versammeln
und zusammen unseren
gemeinsamen Glauben feiern
und über das richtige Handeln diskutieren,
rechnen wir mit Gott und versuchen,
ihn in unser normales Leben
hereinwirken zu lassen.

Wenn wir dann genauer
und anschaulicher
wissen wollen, wie Gott ist
und was er von uns will
und wo wir ihn finden können,
dann sind wir
an Jesus Christus gewiesen;
denn in ihm ist Gott
direkt zu uns Menschen gekommen
und ist sogar einer von uns geworden.
Jesus hat gelehrt und gelebt,
dass Gott die Liebe ist
und dass er auch
von uns Liebe will
als Kern unseres Handelns
und unseres Lebens
auf dieser Erde.
In Jesus sehen wir
Gottes Herrlichkeit
und Gottes Niedrigkeit
in einer geschichtlichen Person
sowohl in ihrem Leben
als auch ihrem Sterben
und Auferstehen.

Deshalb nennen wir d
en Sohn von Maria und Josef
auch Gottes Sohn;
denn in Jesus von Nazareth
ist Gott als Mensch
unter uns Menschen erschienen,
er hat uns gezeigt,
wie wir leben und handeln
und glauben können.
Und so dürfen wir
zusammen mit Christus
Gott als seinen
und unseren Vater ansprechen
und tun dies auch
im uns von Jesus
vorgesprochenen Vater-Unser.

Gerade haben wir
an Weihnachten wieder
die Geburt dieses Mannes
groß gefeiert,
und wir haben dies zu Recht
und mit Freude getan;
denn uns ist mit ihm
der Heiland geboren,
der unser hiesiges Leben
heil machen kann.

Eine solche Heilung
aber scheint mir
sehr notwendig zu sein
für uns in einer Welt,
die voll ist von Ungerechtigkeiten,
Gewalt und Tod.
Bemühen wir uns deshalb selber
trotz aller Widrigkeiten
um ein Leben auf der Spur Jesu,
und lassen wir uns
dabei nicht entmutigen!


Jürgen Flohr

 

 

 

 
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