St. Vincenz zu Altenhagen I

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Andacht für die Woche vom 15. Februar bis 21. Februar 2026

15.02.2026

Andacht
für den Sonntag Estomihi
und für die Woche
vom
15. Februar bis 21. Februar 2026
über die Lesung aus dem Alten Testament


Sie steht im Buch des Propheten Amos
im 5. Kapitel.
Sie ist überschrieben
„Recht ströme wie Wasser.“
Verfasser:
Superintendent in Ruhe Jürgen Flohr
(Springe – früher Syke)


Ich hasse
und verachte eure Feste
und mag eure Versammlungen
nicht riechen
-
es sei denn, ihr bringt mir
rechte Brandopfer dar -,

und an euren Speisopfern
habe ich kein Gefallen,

und euer fettes Schlachtopfer
sehe ich nicht an.

Tu weg von mir
das Geplärr deiner Lieder;

denn ich mag dein Harfenspiel
nicht hören!

Es ströme aber
das Recht wie Wasser
und die Gerechtigkeit
wie ein nie versiegender Bach.

 

Liebe Lesende,

Scharf greift der Prophet Amos hier seine Hörer
aus dem alten Volk Israel an!

Sehr heftige Worte gebraucht er
im Auftrag Gottes
und verurteilt die Feiern
und Gottesdienste seiner Landsleute
im Israel der Königszeit;
er schmäht ihre Opfergaben
und ihre frommen Lieder;
sogar das schöne Harfenspiel
soll Gott zuwider sein.

Was Gott nach dem Urteil des Amos
eigentlich von seinem Volk erwartet,
ist Folgendes:
Die Israeliten sollen
das von Gott gegebene Recht beachten
und Gerechtigkeit üben gegeneinander.
Wenn sie das tun,
dann wird Gott auch ihre Opfer
und ihre Gottesdienste anerkennen
und schätzen.

Amos akzeptiert also die damals –
und oft auch heute – übliche Trennung
zwischen dem Dienst gegenüber Gott
und dem Dienst am Menschen nicht, -
eine Haltung nämlich, die sagt:
Gern diene ich Gott,
weil ich ihn liebe und verehre,
aber die Menschen liebe ich
nicht so sehr,
weil sie selten verehrungswürdig sind.

Diese Haltung einer Art
egoistischer Gottesverehrung
war wohl zur Zeit des Amos

sehr verbreitet im Lande Israel.
Die Oberschicht des Volkes
lebte in Reichtum und Überfluss,
während die arme Bevölkerung Not litt.
An den Tempelfesten mit Musik und Gesang,
mit Brandopfern und Speisopfern
hatten vor allem die Wohlhabenden ihre Freude,
die weniger Begüterten aber
verfügten nicht über die Mittel,
um an solchen Feierlichkeiten
teilnehmen zu können.

Diese Zustände kritisiert
der Prophet scharf, und er fordert,
dass die Menschen Gottes Gebote befolgen
und Recht und Gerechtigkeit üben sollen, -
auch gerade gegenüber den Armen im Lande;
dass sich die Starken
nicht auf Kosten der Schwachen bereichern,
sondern von Ihrem Reichtum
abgeben sollten an die Ärmeren.

Manches von dieser Kritik an den Reichen
wird uns bekannt vorkommen
auch aus unseren Tagen.
Denn wir hören doch immer wieder
von der wachsenden Schere
zwischen Arm und Reich
auch in unserem Lande.
Wir wissen, dass auch hier
die Güter keineswegs gleichmäßig verteilt sind, -
ganz davon abgesehen,
wie es in der weiten Welt aussieht,
wo wir Europäer sicher eher
zu den Begüterten gehören
als zu den Benachteiligten
und dass an vielen Stellen
große Not herrscht.

Würde also der Prophet
wohl auch uns zurufen:
Gott verachtet eure Gottesdienste
und eure Kirchenkonzerte,
eure Kollekten-Sammlungen
und eure Gesänge, wenn ihr nicht
auch an die Armen im Lande denkt
und für Gerechtigkeit sorgt?

Ich vermute, so müsste wohl
ein heutiger Prophet reden,
und er müsste wie Amos fordern,
dass auch bei uns „das Recht wie Wasser
und die Gerechtigkeit
wie ein nie versiegender Bach strömen“ solle.

Sollen wir dann auch
die konkreten Vorwürfe des Amos auf uns
und auf unseren Glauben
und auf unsere Feiern beziehen?
Sollen wir also keine
liturgisch geordneten Gottesdienste
mehr feiern mit schönen Liedern
und mit ausdrucksvollem Orgelspiel?

Doch, das dürfen wir weiter tun
und wollen es auch!
Wir dürfen und sollen feiern zur Ehre Gottes
und zur Freude und zur Erbauung der Mitfeiernden.

Aber diese Feiern
sollen getragen sein von Menschen,
die auch am Alltag ihres Lebens
für Recht und Gerechtigkeit eintreten, -
von Menschen, die sich selber
an Gottes Geboten orientieren
und die z.B. neben der Liebe zu Gott
auch die Liebe zum Mitmenschen
üben und praktizieren,
so schwer das manchmal sein mag;
denn nicht alle Mitmenschen
sind so liebenswert,
wie wir uns das wünschen mögen.

Trotzdem sollen wir ihnen helfen,
wenn sie Hilfe brauchen
und sollen selber Hilfe annehmen,
wenn wir sie nötig haben;
denn wir sind aufeinander angewiesen,
wir Menschen und wollen einander helfen
zu einem guten Leben
und nicht einer den anderen ausnutzen,
um selber besser dazustehen als dieser.

Deshalb gibt es hilfreiche Einrichtungen
wie die Tafeln, die Lebensmittel
an Bedürftige in unserem Lande ausgeben,
und wir kennen „Brot für die Welt“,
wo man sich um Benachteiligte
in aller Welt kümmert.

Lernen wir darum von Amos,
dass Gott unseren Glauben,
unser Vertrauen auf ihn erwartet,
aber auch unser liebevolles Handeln
gegenüber den Mitmenschen, -
dass eben Glaube und Liebe

zusammen gehören,
so wie Jesus es gelehrt und vorgelebt hat.


Jürgen Flohr

 
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