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Andacht für die Woche vom 14. Dezember 2025 bis 20. Dezember 2025
Andacht für den dritten Advent
und für die Woche
vom 14. Dezember 2025
bis 20. Dezember 2025
über die Lesung
aus dem Alten Testament.
Sie steht im Buch
des Propheten Jesaja im 40. Kapitel.
und ist überschrieben
„Des Herrn tröstendes Wort
für sein Volk“
Verfasser:
Superintendent in Ruhe
Wilhelm Niedernolte
(Eldagsen)
Liebe Leserin. Lieber Leser,
der Dritte Advent steht unter der Überschrift:
In der Wüste bereitet dem Herrn den Weg;
denn siehe, der Herr kommt gewaltig.
Jesaja 40, 3 u. 10
Der Prophet sagt uns:
Ihr seid Wegbereiter für Gott.
Gott kommt zu euch,
und ihr sollt ihm eine Straße bauen.
In Ordnung, sage ich,
aber wie macht man das?
Dazu möchte ich drei Fragen bedenken:
Wo bauen wir Straßen für Gott?
Wie bauen wir Straßen für Gott?
Zu welchem Ziel
sollen diese Straßen führen?
Zunächst: Wo bauen wir
Straßen für Gott?
Es ruft eine Stimme:
In der Wüste bereitet
dem Herrn den Weg.
Ich habe keine Mühe,
das Bild von der Wüste
auf unser Leben zu übertragen.
Die Wüste ist unter Umständen
sogar eine sehr interessante Gegend,
z.B. für einen Urlaub,
aber in diesem Zusammenhang
steht sie für Lebensfeindlichkeit.
Wüste ist das,
was unser Leben schwer macht,
herunter zieht, durcheinanderbringt.
Der Prophet deutet die Wüste
auf seine Weise:
Es ruft eine Stimme:
In der Wüste bereitet
dem HERRN den Weg,
macht in der Steppe
eine ebene Bahn unserm Gott!
Alle Täler sollen erhöht werden,
und alle Berge und Hügel
sollen erniedrigt werden,
und was uneben ist,
soll gerade,
und was hügelig ist,
soll eben werden;
denn die Herrlichkeit des HERRN
soll offenbart werden.
Also: Gottes Weg in der Wüste
ist ein Weg, der Berge flach macht
und der Täler
und Gräben zuschüttet,
ein Weg, der Unebenheiten glättet.
Was heißt das?
Gott glättet Unebenheiten
auf seinem Weg in der Wüste
und in unsere Welt?
Der Rat der Evangelischen Kirche
in Deutschland
und die Deutsche Bischofskonferenz
haben vor etwa 30 Jahren
eine damals
viel beachtete Schrift vorgelegt,
mit dem Titel: „Für eine Zukunft
in Solidarität und Gerechtigkeit –
ein Wort zur wirtschaftlichen
und sozialen Lage in Deutschland“.
Darin haben sie sich
erstaunlich deutlich positioniert,
wenn sie für die Kirchen eine
„vorrangige Option
für die Armen, Schwachen
und Benachteiligten“ feststellen.
Sie schreiben:
„Die christliche Nächstenliebe
wendet sich vorrangig den Armen,
Schwachen und Benachteiligten zu“.
D.h. christliche Nächstenliebe
ist nicht gegen Reiche, aber für Arme.
Christen finden sich nicht ab
mit den dauerhaften
Unterschieden der Menschen,
z.B. bei ihren Einkommen.
Und für viele in unserem Land
ist ihre Einkommenssituation
eine Wüstenlandschaft,
ein Dauertal.
Der Prophet sagt:
In der Wüste bereitet dem Herrn den Weg.
Er kommt gewaltig.
Also: Wenn Gott i
n unsere Welt kommen soll,
dann müssen z.B. die großen Einkommens-
unterschiede angeglichen werden.
Und wenn er in unsere Welt kommt,
dann werden sie angeglichen.
Also: Bereitet dem Herrn den Weg.
Wo? In der Wüste.
Und nun zur zweiten Frage:
Wie bauen wir Straßen für Gott?
Eine Antwort haben wir schon gehört:
So bauen wir Straßen für Gott,
dass wir Hohes und Tiefes
einander angleichen.
Wie geht das eigentlich, Straßenbau?
Als älterer Schüler habe ich
manchmal in den langen Sommerferien
bei der städtischen Baukolonne gearbeitet.
Dazu gehörte, Straßenlöcher zu flicken
und auch, Straßen neu zu asphaltieren.
Das war eine schweißtreibende Arbeit,
denn das Material
musste heiß verarbeitet werden,
mit Schaufel und Harke.
Erste Schicht war der Bitumenkies,
darüber wurde
der Asphaltfeinbeton aufgebracht,
weit über 100 Grad heiß,
ätzend für die Bronchien,
im August, in praller Sonne.
Inzwischen ist Straßenbau
leichter geworden.
Auf der Autobahn sehen wir
Asphaltiermaschinen,
die scheinbar Computergesteuert
alles automatisch erledigen.
Und doch bleibt immer noch
der Lärm von den Maschinen
und vom Autoverkehr.
Was sagt uns das?
Straßenbau ist
eine anstrengende Tätigkeit.
Straßenbau für Gott
ist höchstwahrscheinlich
vorwiegend auch eine
anstrengende Tätigkeit.
Gott kommt natürlich
in unsere Welt,
so wie er will,
mit uns, ohne uns.
Aber ihm dabei
behilflich zu sein,
sagt der Prophet mit seinem Bild
vom Straßenbau,
ist nicht wie Urlaub.
Klar: Wir loben Gott
auch mit unseren Gottesdiensten,
mit unseren Gesängen,
mit unseren Festen;
aber: Gott in unserer Welt
Geltung zu verschaffen, kann auch
richtige Knochenarbeit sein,
denn: In der Wüste
bereitet dem Herrn den Weg.
Denn er kommt gewaltig.
Und manchmal müssen auch wir
uns gewaltig anstrengen –
mit unseren Kindern,
mit unseren alten Eltern,
mit uns selbst,
mit unseren Nachbarn,
damit uns unsere christliche Nächstenliebe
nicht abhandenkommt.
Unsere fernen Nächsten
in Afrika zu lieben,
ist verhältnismäßig einfach,
aber unsere nächsten Nächsten zu lieben,
kann manchmal so anstrengend sein
wie der Straßenbau.
Schließlich die Frage:
Zu welchem Ziel
sollen diese Straßen führen?
Eine Straße macht ja nur dann Sinn,
wenn sie irgendwohin führt,
es sei denn, man sagt:
Der Weg ist das Ziel.
Aber das hält man nicht lange durch.
Man will doch wissen,
wohin die Reise geht.
Nehmen wir an,
wir bauen eine Straße für Gott,
meinetwegen auch in der Wüste,
und nehmen wir weiter an,
Gott ist so freundlich, die von uns
gebaute Straße zu benutzen,
um in unsere Welt zu kommen,
dann bleibt immer noch die Frage,
wohin führt die Straße?
Wohin soll sie führen?
Was meinen Sie:
Kann man Glauben lernen?
D.h. Können Eltern
ihren Glauben an Gott
an ihre Kinder weitergeben?
Können Kinder den Glauben an Gott
von ihren Eltern übernehmen?
Können der Pastor/diePastorin,
der Diakon/die Diakonin
den Jugendlichen im Konfirmandenunterricht
den Glauben vermitteln?
Antwort: Nein!!
Glauben kann man nicht lernen.
Glauben können war immer
ein Geschenk Gottes,
ist ein Geschenk Gottes
und wird Gottes Geschenk bleiben.
Aber man kann etwas anderes tun.
Eltern können eine Straße bauen –
von Gott zu ihren Kindern,
und hoffen, dass die Kinder s
ich auf diesen Weg begeben.
Pastoren/innen und Diakone/innen
können eine Straße
von Gott zu den Konfirmanden bauen,
können ihnen erklären,
was die zehn Gebote bedeuten
und was sie
mit ihrem Leben zu tun haben,
können ihnen die Geschichten der Bibel
nahebringen und können beschreiben,
wie der Glaube an Gott
Menschen geprägt hat,
die lange vor uns gelebt haben,
wie der Glaube diese Menschen
zum Leben ermutigt
und im Sterben getröstet hat.
Das können sie tun,
das sollen sie tun,
und das tun sie.
Und manchmal gelingt es,
dass Gott auf diese Weise
zu den Menschen kommt.
Aber das liegt nicht
an den Straßenbauern,
das liegt an Gott selbst.
Das Ergebnis ist offen.
Was am Ende des Weges steht,
den wir für Gott bauen,
wissen wir nicht.
Ob Gott unseren Weg benutzt,
wissen wir nicht.
Ob Gott auf unserem Weg
zu seinem Ziel kommt,
wissen wir nicht.
Wir hoffen es.
Wir beten und arbeiten dafür.
Und manchmal sehen wir,
wie es gelingt.
Mein Kollege hat dafür
ein anderes schönes Bild geprägt:
Er spricht von einem Landeplatz
für die Taube des Heiligen Geistes.
Wir bauen den Landeplatz,
mit allem Komfort,
nach neusten Erkenntnissen,
technisch und organisatorisch gut aufgestellt.
Aber ob der Heilige Geist
unseren Landeplatz benutzt,
entscheidet er ganz allein.
Ob Gott auf unseren Straßen
zu den Menschen geht, ist ungewiss.
Aber eins ist für mich ganz gewiss:
Es ruft eine Stimme:
In der Wüste bereitet
dem Herrn den Weg.
Er kommt gewaltig.
Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Zeit.
Wilhelm Niedernolte
