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Andacht für die Woche vom 13. April bis 19. April 2025
Andacht für die Woche
vom 13. April bis 19. April 2025
über die Lesung
aus dem Alten Testament für die Karwoche.
Sie steht im Buch Jesaja 50,4-9
und ist überschrieben mit
„Der Knecht Gottes im Leiden“
Verfasser:
Superintendent in Ruhe Wilhelm Niedernolte
(Eldagsen)
Gott, der Herr, hat mir eine Zunge gegeben,
wie sie Jünger haben,
dass ich wisse, mit den Müden
zu rechter Zeit zu reden.
Er weckt mich alle Morgen;
er weckt mir das Ohr,
dass ich höre, wie Jünger hören.
Gott der Herr hat mir das Ohr geöffnet.
Und ich bin nicht ungehorsam
und weiche nicht zurück.
Ich bot meinen Rücken dar denen,
die mich schlugen,
und meine Wangen denen,
die mich rauften.
Mein Angesicht verbarg ich nicht
vor Schmach und Speichel.
Aber Gott der Herr hilft mir,
darum werde ich nicht zuschanden.
Darum habe ich mein Angesicht
hart gemacht wie einen Kieselstein;
denn ich weiß,
dass ich nicht zuschanden werde.
Er ist nahe, der mich gerecht spricht;
wer will mit mir rechten?
Lasst uns zusammen vortreten!
Wer will mein Recht anfechten?
Der komme her zu mir!
Siehe, Gott der Herr hilft mir;
wer will mich verdammen?
Siehe, sie alle
werden wie ein Kleid zerfallen,
Motten werden sie fressen.
Liebe Leserin, lieber Leser,
Bibelausleger haben
immer wieder versucht,
zu erforschen, wer der ist,
der da in der Ich – Form spricht.
Sie haben ihn
den Knecht Gottes genannt,
weil er so an anderer Stelle
beim Propheten Jesaja bezeichnet wird:
Der Knecht Gottes.
Von ihm sind mehrere dieser Abschnitte,
dieser Lieder überliefert,
so dass man
von den Knecht-Gottes-Liedern spricht.
Aber wer ist dieser Knecht Gottes?
Ist es der Prophet selbst?
Ist es vielleicht Mose oder Elia,
oder gar das ganze Volk?
Christen haben diesen Knecht Gottes
von Anfang an auf Christus bezogen.
Sie glaubten: Christus ist dieser Mann,
von dem der Prophet schreibt:
Er redet mit den Müden
zur richtigen Zeit,
dann, wenn sie ermutigt werden müssen.
Er hört auf Gottes Stimme
wie kein anderer.
Er ist dem Willen Gottes nicht ungehorsam
und weicht nicht zurück,
als die Soldaten ihn
im Garten Gethsemane festnehmen.
Er hält still, als die Kriegsknechte
seinen Rücken blutig schlagen
und ihm ins Gesicht spucken.
Er ist deswegen nicht zu Schanden geworden,
weil Gott ihm geholfen hat.
In den Augen der Christen
spricht der Prophet Jesaja an dieser Stelle
vom gekreuzigten
und auferstandenen Christus.
Der Knecht Gottes bezeichnet sich selbst
als Jünger, als Schüler Gottes.
Der Schüler Gottes steht seinem Lehrer
nicht nur mit Geist und Seele zur Verfügung,
sondern mit ganzem körperlichem Einsatz,
mit dem Ohr, mit der Zunge,
mit dem Gesicht,
aber auch mit dem Rücken.
Der Schüler Gottes ist ein Hörender,
ein Redender und ein Handelnder.
So wie Jesus, der Rabbi aus Nazareth,
von dem seine Schüler sagten:
Er redet so zu uns,
dass wir Gottes Nähe spüren,
er heilt Menschen,
dass sie wieder Gottes Nähe spüren.
Darum ist Gott bei ihm geblieben,
ist mit ihm ans Kreuz gegangen
und hat ihn vom Tod erweckt.
Darum ruft er uns,
seine Schüler zu werden und zu bleiben.
Der Knecht Gottes sagt:
Ich bot meinen Rücken dar denen,
die mich schlugen.
Auch das haben seine Schüler
an Jesus erlebt.
Sie haben miterlebt,
wie man Jesus den Rücken blutig schlug.
Dieses Bild vom zerschlagenen
blutenden Rücken
war offensichtlich so beeindruckend,
dass es im Neuen Testament,
in der Kirchengeschichte und bis heute
immer wieder verwendet wurde.
Im Epheserbrief schreibt Paulus:
In Christus haben wir
die Erlösung durch sein Blut (1,7)
und: Ihr seid Gott nahe gekommen
durch das Blut Christi (2,13).
Im Mittelalter waren Christen der Meinung:
Gott war zornig auf die Menschen
und wollte Blut fließen sehen,
damit sein Zorn sich ein wenig legt.
Der zerschlagene Rücken
des Knechtes Gottes
als Bild des Glaubens,
Gewalt als Wiedergutmachung
für unsere Sünden –
ist das unser Glaube?
Mein Glaube ist das nicht.
Ich lese im Johannesevangelium:
So sehr hat Gott die Welt geliebt,
dass er seinen einzigen Sohn gab.
Da steht nicht:
So sehr hat Gott die Welt gehasst,
oder: so zornig war Gott,
dass er seinen einzigen Sohn gab.
Das Bild von der blutigen Erlösung Christi
war immer ein starkes Bild.
Ich vermute, viele Christen
in unserem Land mögen das Bild
vom blutig geschlagenen Christus nicht,
weil es ihnen vielleicht zu unappetitlich ist,
oder weil sie sagen:
Das ist ein
magisches Verständnis des Glaubens.
Nicht das Blut rettet uns,
sondern Christus rettet uns.
Das Blut Christi,
das vor 2000 Jahren geflossen ist,
rettet uns genauso wenig
wie der Knochenrest eines Heiligen,
der in einer Kirche
als Reliquie aufbewahrt wird.
Wie gehen wir als Christen
in Deutschland damit um,
mit dem Bild vom Blut Christi?
Trägt es unseren Glauben immer noch?
Oder brauchen wir andere Bilder,
um unseren Glauben zu verstehen
und in Worte zu fassen?
Grundsätzlich gilt:
Wir glauben an Christus
und nicht an die Bilder von Christus.
Die Frage ist nur,
ob unsere Bilder von Christus
heute für uns noch angemessen sind.
Dann werden wir sehen,
dass auch das Bild
vom blutenden Christus
in unterschiedlichen Zusammenhängen
unterschiedlich gewertet wird.
Wir in unserer Komfortzone in Mitteleuropa
finden einen blutenden Christus
vielleicht etwas abstoßend.
Aber der Bauer in Südamerika,
der in den Kellern der Polizei gefoltert wird,
bis sein Blut fließt,
weil er sein Land nicht freiwillig
an einen Großkonzern abgeben will,
empfindet dieses Bild
möglicherweise ganz anders.
Der denkt an den Blutüberströmten Jesus
am Kreuz und fühlt sich
ihm sehr verbunden, und sagt:
Du Blutüberströmter Christus
verstehst mich.
Du fühlst meine Schmerzen.
Du bist ganz nahe bei mir.
Das gibt mir die Kraft, durchzuhalten,
mein Gesicht hart zu machen
wie einen Kieselstein.
Und auch bei uns
gibt es Zeiten im Leben eines Menschen,
wo dieses Bild
vom körperlich leidenden Christus
als sehr stark empfunden wird.
Dann wenn jemand dauerhaft
starke Schmerzen hat
und die Schmerztabletten
keine Linderung verschaffen.
Dann kann das Bild
vom Blutverschmierten gekreuzigten Christus
ihn ganz stark machen.
Dann kann auch er sagen:
Du Blutüberströmter Christus
verstehst mich.
Du fühlst meine Schmerzen.
Du bist ganz nahe bei mir.
Das gibt mir die Kraft,
durchzuhalten, mein Gesicht hart zu machen
wie einen Kieselstein.
Der Knecht Gottes
beim Propheten Jesaja sagt:
Ich bot meinen Rücken dar denen,
die mich schlugen,
und meine Wangen denen,
die mich rauften.
Mein Angesicht verbarg ich nicht
vor Schmach und Speichel.
Ein Bild für den leidenden Gottesknecht.
Ein Bild für uns,
das uns tragen kann in schweren Zeiten.
Der Knecht Gottes beschreibt sich selbst
als Gottes Jünger,
als Gottes Schüler,
als ein auf Gott Hörender,
als ein in seinem Namen Redender
und als ein in seiner Vollmacht Handelnder.
Gott, der Herr, hat mir
eine Zunge gegeben,
wie sie Jünger haben,
dass ich wisse,
mit den Müden
zu rechter Zeit zu reden.
Er weckt mich alle Morgen;
er weckt mir das Ohr,
dass ich höre, wie Jünger hören.
Darum lasst uns Gott bitten,
dass wir seine Schülerinnen
und Schüler werden und bleiben.
Menschen, die ihm ihr Ohr öffnen,
auf ihn hören,
Menschen, die für ihn das Wort ergreifen,
Menschen, die in seinem Sinn handeln.
Lasst uns seine Schüler sein.
Vielleicht verbinden einige von uns
eher negative Erinnerungen
mit ihrer Schulzeit
oder mit einigen Schulfächern.
Manches Fach lag ihnen nicht sehr
oder der Lehrer
oder die Lehrerin war zu streng.
Viele erinnern sich
aber auch gern an ihre Schulzeit.
In der Schule Gottes
ergeht es uns nicht anders.
Auch da müssen wir manchmal
die Schulbank drücken,
was nicht immer bequem ist.
Manchmal ist Gottes Schule
auch eine harte Schule,
in der wir durch einen Schicksalsschlag,
durch eine Krankheit
oder durch einen Verlust
etwas lernen müssen,
was wir gar nicht lernen wollen.
Es ist wohl wahr:
Manchmal möchte man
aus der Schule laufen
und Ferien machen.
Das sollten wir uns
auch manchmal gönnen.
Dann aber lasst uns
wieder zu Schülerinnen
und Schülern werden, die wissen,
dass ihr Lehrer es gut meint mit ihnen.
Denn auch im Glauben
gilt das Motto
vom Lebenslangen Lernen.
Wir sind Schülerinnen
und Schüler Jesu Christi,
das ist wahr.
Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Zeit.
Wilhelm Niedernolte
