St. Vincenz zu Altenhagen I

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Andacht für die Woche vom 11. Januar bis 17. Januar 2026

10.01.2026

Andacht
für den 1. Sonntag nach Epiphanias
und für die Woche
vom 11. Januar bis 17. Januar 2026
über die Lesung
aus dem Alten Testament.
Sie steht im Buch
des Propheten Jesaja
im 42. Kapitel
und ist überschrieben
„Der Knecht Gottes, das Licht der Welt“
Verfasser:
Pfarrer in Ruhe Jürgen-Peter Lesch
(Springe –
früher Pfarrer der EKD in Hannover)


Liebe Leserin, lieber Leser,
in diesen ersten Tagen des neuen Jahres
klingen mir die Ohren.
Immer lauter und immer abstruser
werden die Sätze unterschiedlicher Politiker
und auch Politikerinnen in West und Ost.
Mir scheint, die Vorwürfe
an wirkliche und an vermeintliche Gegner
werden desto lauter vorgebracht,
je grotesker sie sind.
Immer öfter möchte ich mir
nur noch die Ohren zuhalten
und nichts mehr hören müssen.
Aber das hilft nicht wirklich.

Was mir heute hilft,
sind Worte aus dem Buch Jesaja.
Im zweiten großen Abschnitt des Propheten-
buches wird über
einen Gottesknecht gesprochen.
Über ihn heißt es:
„Er wird nicht schreien noch rufen,
und seine Stimme wird man
nicht hören auf den Gassen“.
Einer, der nicht schreit,
einer, der nicht Tag und Nacht
lauthals tönt in allen Medien.
Das ist ein wunderbares Gegenbild
zu vielen Politikerinnen und Politikern.
Und nicht nur zu ihnen,
sondern zu so vielen Menschen,
die meinen, sie müssten ihre Ansichten
und Vorstellungen möglichst laut
auf möglichst vielen Wegen verbreiten.
Wie anders ist da der Knecht Gottes,
von dem Jesaja spricht.
Über ihn wird im Bibelabschnitt
noch mehr gesagt:


Siehe, das ist mein Knecht, den ich halte,
und mein Auserwählter,
an dem meine Seele Wohlgefallen hat.
Ich habe ihm meinen Geist gegeben;
er wird das Recht
unter die Heiden bringen.
Er wird nicht schreien noch rufen,
und seine Stimme wird man
nicht hören auf den Gassen.
Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen,
und den glimmenden Docht
wird er nicht auslöschen.
In Treue trägt er das Recht hinaus.
Er selbst wird nicht verlöschen
und nicht zerbrechen,
bis er auf Erden das Recht aufrichte;
und die Inseln warten auf seine Weisung.

So spricht Gott, der Herr,
der die Himmel schafft und ausbreitet,
der die Erde macht und ihr Gewächs,
der dem Volk auf ihr den Atem gibt
und Lebensodem denen,
die auf ihr gehen:
Ich, der Herr, habe dich gerufen
in Gerechtigkeit und halte dich
bei der Hand.
Ich habe dich geschaffen
und bestimmt zum Bund für das Volk,
zum Licht der Heiden,
dass du die Augen der Blinden öffnen sollst
und die Gefangenen
aus dem Gefängnis führen
und, die da sitzen in der Finsternis,
aus dem Kerker.

Ich, der Herr, das ist mein Name,
ich will meine Ehre keinem andern geben
noch meinen Ruhm den Götzen.
Siehe, was ich früher verkündigt habe,
ist gekommen.
So verkündige ich auch Neues;
ehe denn es sprosst,
lasse ich’s euch hören.

Jesaja 42,1-9

Christinnen und Christen haben
das über den Gottesknecht Gesagte
schon sehr früh in ihrer Verkündigung
auf Jesus Christus bezogen.
Die Worte zu Beginn
„mein Auserwählter,
an dem meine Seele
Wohlgefallen hat“

erinnern an die Taufe
von Jesus im Jordan, wo es heißt:
„Und siehe, eine Stimme
aus dem Himmel sprach:
Dies ist mein lieber Sohn,
an dem ich Wohlgefallen habe“
.
Da ist die Verbindung deutlich.

Doch was macht diesen Gottesknecht,
den Sohn Gottes, Jesus Christus, aus?
Zunächst eine schlichte Beschreibung:
„Das geknickte Rohr
wird er nicht zerbrechen,
und den glimmenden Docht
wird er nicht auslöschen“
.
Er kommt nicht breitbeinig daher,
brutal und rücksichtslos.
Er achtet auf die Menschen,
die von ihrem Leben,
von dem, was sie erfahren
und erlitten haben,
mitgenommen sind.
Er achtet auf die Zweifelnden
und die Verzweifelten.
Er geht zögernd voran,
schaut nach links und rechts,
nimmt sich Zeit für die Menschen,
die von vielen anderen kaum
oder gar nicht beachtet werden.

Der Gottesknecht, Jesus Christus,
tut dies, weil er von Gott beauftragt ist.
Gott hat ihm seinen Geist gegeben.
Bei seinem Auftrag geht es
zuallererst darum Recht zu schaffen.
Recht zunächst für jene geknickten
und fast ausgelöschten Menschen.
Doch mehr noch:
Es geht um Recht für alle Völker
bis hin zu den entlegensten Inseln,
die auf seine Weisung warten.
Gott, der Schöpfer allen Lebens,
hat seinen Knecht beauftragt,
die Menschen zu erleuchten
mit seinem göttlichen Licht.
Und mehr noch.
Der Auftrag ist,
„dass du die Augen der Blinden
öffnen sollst
und die Gefangenen
aus dem Gefängnis führen
und, die da sitzen in der Finsternis,
aus dem Kerker.“

Schöne Worte, kann man sagen.
Doch die passen
so gar nicht in unsere Zeit.
Sie passen so gar nicht zu dem,
was wir jeden Tag sehen und hören.
Aber am Ende steht eine Zusage Gottes,
sein Versprechen:
„Siehe, was ich früher verkündigt habe,
ist gekommen.
So verkündige ich auch Neues;
ehe denn es sprosst,
lasse ich’s euch hören“
.
Gekommen ist der vom Propheten Jesaja
angekündigte Gottesknecht als Jesus Christus.
Das Neue, die neue Art des Zusammenlebens
von uns Menschen auf dieser Erde,
hat mit seiner Verkündigung,
seinen Worten und Taten begonnen.
Und es geht weiter
durch die Jahrhunderte hindurch bis heute.
Es geht weiter mit
und durch uns Christinnen und Christen.
Wir sind dazu berufen,
am Werk des Gottesknechtes mitzuarbeiten.
Wir sind dazu berufen,
das geknickte Rohr nicht brechen
und den glimmenden Docht
nicht verlöschen zu lassen.
Und immer wieder dagegen anzugehen,
dass das Recht mit Füßen getreten wird.
Dabei sind wir nicht allein auf uns gestellt,
Gottes Geist ist unsere Hilfe.
Er schenke
uns Kraft und Stärke heute
und durch das gesamte Jahr 2026 hindurch.


Das wünscht Ihnen allen
Jürgen Peter Lesch

 
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