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Andacht für die Woche vom 1.Juni bis 7.Juni 2025
Andacht für die Woche
vom 1.Juni bis 7.Juni 2025
über die Lesung
aus dem Alten Testament
zum Sonntag Exaudi
Sie steht im Buch
des Propheten Jeremia 31,31-34
und ist überschrieben
„Der neue Bund“
Verfasser:
Superintendent in Ruhe Wilhelm Niedernolte
(Eldagsen)
Siehe, es kommt die Zeit,
spricht der Herr,
da will ich mit dem Hause Israel
und mit dem Hause Juda
einen neuen Bund schließen,
nicht wie der Bund gewesen ist,
den ich mit ihren Vätern schloss,
als ich sie bei der Hand nahm,
um sie aus Ägyptenland zu führen,
mein Bund, den sie gebrochen haben,
ob ich gleich ihr Herr war,
spricht der Herr;
sondern das soll der Bund sein,
den ich mit dem Hause Israel
schließen will nach dieser Zeit,
spricht der Herr:
Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben
und in ihren Sinn schreiben,
und ich will ihr Gott sein
und sie sollen mein Volk sein.
Und es wird keiner den andern
noch ein Bruder den andern lehren
und sagen: »Erkenne den Herrn«,
denn sie sollen mich alle erkennen,
beide, Klein und Groß,
spricht der Herr;
denn ich will ihnen
ihre Missetat vergeben
und ihrer Sünde
nimmermehr gedenken.
Jeremia 31,31-34
Liebe Leserin, lieber Leser,
beim Propheten Jeremia
und an anderen Stellen in der Bibel
lesen wir, dass Gott
mit seinem Volk Verträge schließt,
einen Bund, der beide Seiten bindet,
auch Gott bindet,
ihn zur Einhaltung verpflichtet.
Sein Volk bricht
diese Bundesschlüsse immer wieder,
so dass Gott durch den Propheten
die Botschaft überbringen lässt:
Gott spricht, es wird die Zeit kommen,
da werde ich mit Israel
einen neuen Bund schließen,
der ganz anders sein wird
als die alten Bundesschlüsse.
Ich will keine spektakulären Zeichen
mehr setzen
wie z.B. den Regenbogen
oder die 10 Gebote auf den Steintafeln,
sondern ich will mein Gesetz
in ihr Herz geben,
sodass jeder Mensch
mich erkennen kann.
Wir Christen sehen diesen neuen Bund
in Jesus Christus erfüllt.
Jesus sagt beim letzten Zusammensein
mit seinen Jüngern:
Dieser Kelch ist der neue Bund,
der mit meinem Blut besiegelt wird.
Der alte Bund
behält weiterhin seine Gültigkeit
so wie alle anderen
vorher gehenden Bundesschlüsse
von Abraham bis David,
sie sind nicht außer Kraft gesetzt;
für uns Christen ist
jedoch der neue Bund dazu gekommen.
Und er gilt bis heute.
Bis heute gilt die Selbstverpflichtung Gottes,
dass er gnädig ist,
dass er Sünden vergibt,
dass er auf unseren Glauben wartet.
In unserer schnelllebigen
und manchmal unübersichtlichen Zeit
ist die Frage nach dem Bund,
nach den Bündnissen ganz aktuell.
Was gibt unserem Leben Stabilität?
Worauf kann ich
mich verlassen – langfristig?
Unsere Erfahrungen des Alltags
sind nicht immer ermutigend.
Sozialpartnerschaften werden aufgekündigt.
Der Generationenvertrag wackelt.
Dieser Vertrag besagte,
dass die alten Menschen,
die ihr Leben lang gearbeitet hatten,
sich darauf verlassen konnten,
dass die jungen über die Rentenkasse
für sie sorgen würden.
Dieser Bund ist brüchig geworden.
Aber auch der sog. „Bund fürs Leben“,
die Ehe, ist brüchig geworden,
das Versprechen auf Gegenseitigkeit,
als Eheleute beieinander zu bleiben
in guten und in schlechten Tagen,
bis einer von beiden stirbt,
den Ehemann / die Ehefrau
aus Gottes Hand zu nehmen,
zu lieben und zu achten –
und das Ganze mit Gottes Hilfe.
Auch dieser Bund
wird in nahezu der Hälfte aller Fälle
vorzeitig wieder aufgekündigt.
Also was gibt Stabilität?
Worauf kann man sich verlassen?
Die Bündnisse in der Politik
waren immer nur
auf begrenzte Zeit angelegt;
und das ist wahrscheinlich auch gut so.
Gibt uns denn
unser Glaube Stabilität?
Gott sagt: Das soll mein Bund sein:
Ich will mein Gesetz
in ihr Herz geben
und in ihren Sinn schreiben.
Also ist unser Glaube
eine Herzenssache,
etwas für den Sinn unseres Lebens;
etwas für die Sinne,
etwas zum Genießen.
Gott sagt: Das soll mein Bund sein:
Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben.
In allen politischen Diskussionen
wird darüber gestritten,
welches der beste Weg, ist,
damit es mit unserem Land
wieder aufwärts geht.
Es fehlt nicht an Programmen,
es wird auch viel Geld
dafür ausgegeben.
Was offensichtlich
noch nicht gelungen ist,
was wir aber unbedingt brauchen,
ist das, was der Prophet
in seinen Worten sagt:
Gottes Gesetz im Herzen haben,
heute spricht man gern
von einem Mentalitätswechsel.
Es hat sich eine für mich
manchmal schwer erträgliche Unlust
in unserem Land breit gemacht,
eine Unlust, Kinder zu haben,
eine Unlust,
sich auf morgen zu freuen,
sich auf das Altwerden zu freuen,
eine Unlust am Leben insgesamt.
Das Leben in unserem Land
scheint manchmal
eine Kette von Problemen zu sein,
das ganze Leben
ist ein einziges Problem.
Das kann ich im Einzelfall verstehen.
Ich kenne Menschen,
die haben allen Grund zu jammern
und traurig zu sein.
Aber für die Mehrheit
trifft das nicht zu.
Und solange wir
über das Jammern nicht hinauskommen,
wird sich in unserem Land
nichts zum Besseren ändern.
Darum brauchen wir
einen Mentalitätswechsel,
wir brauchen es,
dass Gott uns
sein Gesetz des Lebens
ins Herz schreibt,
das Gesetz, das das Leben annimmt
und Verantwortung
für unser Land übernimmt.
Einer meiner Leitsprüche lautet:
Nicht aushalten und jammern ,
sondern klagen und angehen.
Jammerlappen bewirken gar nichts.
Aber klagen,
die Dinge beim Namen nennen,
einen Platz für die Schwachen einklagen,
und dann Abhilfe schaffen –
das ist nötig.
Und dazu hilft uns das Gesetz Gottes.
Übrigens ist der Prophet Jeremia,
der diese Worte überliefert hat,
selbst ein gutes Beispiel
für den Unterschied
von jammern und klagen.
In Ausübung seines Prophetenamtes,
indem er die Politik seiner Könige
im Namen Gottes kritisiert,
wird er auch gefoltert.
Paschhur, der Sohn des Priesters,
lässt ihn gefangen nehmen
und in einen Block schließen,
eine ganze Nacht lang.
Ein Block ist ein Holzklotz
mit vier Löchern,
zwei für die Füße
und zwei für die Handgelenke.
Darin wird er gefesselt.
Am andern Tag beklagt er sich
bei Gott über die Last seines Amtes (20, 7ff)
HERR, du hast mich überredet,
und ich habe mich überreden lassen.
Du bist mir zu stark gewesen
und hast gewonnen;
aber ich bin darüber
zum Spott geworden täglich,
und jedermann verlacht mich.
Denn sooft ich rede,
muss ich schreien;
„Frevel und Gewalt!“ muss ich rufen.
Denn des HERRN Wort
ist mir zu Hohn
und Spott geworden täglich.
Da dachte ich:
Ich will nicht mehr an ihn denken
und nicht mehr
in seinem Namen predigen.
Aber es ward in meinem Herzen
wie ein brennendes Feuer,
in meinen Gebeinen verschlossen,
dass ich's nicht ertragen konnte;
ich wäre schier vergangen.
Liebe Leserin, lieber Leser,
Jeremia klagt, er beklagt sich bei Gott,
aber er belässt es dabei nicht,
sondern er handelt,
er lässt sich nicht
das offene Wort verbieten
und landet deswegen
noch mehrmals im Gefängnis.
Er teilt am Ende
das Schicksal seines Volkes
und geht mit in die Verbannung.
Wir wissen nicht,
was aus ihm geworden ist,
aber wir haben seine Worte,
die Verheißung Gottes,
dass er seinen Bund
nicht aufkündigt,
dass er zu seiner Selbst-
verpflichtung steht,
und dass er sein Gesetz,
seine Kraft, seine Lust zu leben
in unser Herz geben will.
Der heutige Sonntag „Exaudi“
liegt zwischen Himmelfahrt und Pfingsten.
Wir stehen immer
zwischen Himmelfahrt und Pfingsten,
in der Situation,
dass Christus zu seinem Vater
in den Himmel zurückgekehrt ist
und dass er zu uns
wiederkommen wird.
Solange liegt die Welt in unserer Hand,
in unserer Verantwortung.
Wir können diese Verantwortung
annehmen, wenn wir wissen,
dass Gott uns sein Gesetz
in unsere Herzen geschrieben hat.
Ich wünsche Ihnen
eine gesegnete Zeit.
Wilhelm Niedernolte
